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Grundlagen & Einstieg

Hunde wurden vor 15.000 Jahren gebarft

Stell dir eine Szene vor 15.000 Jahren vor. Wölfe ziehen in Rudeln durchs Land, jagen gemeinsam, schlagen sich durch. Und einer von ihnen beobachtet die Menschen. Er sieht, dass die mit ihren Waffen erfolgreicher jagen als er – aber so richtig glücklich wirken sie auch nicht. Und da kommt diesem einen Wolf eine geniale Idee.

Er müsste die Menschen bloß glücklich machen, dann könnte er das schönste Leben führen, das sich ein Wolf in seinen kühnsten Träumen ausmalt: drei geregelte Mahlzeiten, ein gemütlicher Schlafplatz in der Höhle, ein wärmendes Feuer an kalten Wintertagen. Alles, was er dafür tun muss: die Menschen unterhalten und beschützen, zu Weihnachten ein albernes Kostüm tragen – und sich fortan Hund nennen lassen.

So ungefähr, mit einem Augenzwinkern erzählt, begann die längste Freundschaft der Geschichte. Und der spannende Teil daran: Was am Lagerfeuer im Napf landete, klingt verdächtig nach dem, was wir heute BARF nennen.

Denn die Hunde bekamen ab, was der Mensch übrig ließ – Fleisch, Innereien, Knochen. Roh. Niemand kam auf die Idee, das Zeug für ein Raubtier vorher zu kochen oder zu Pellets zu pressen. Klingt nach BARF, oder?

Karnivore oder Omnivore?

Irgendwann fing der Mensch an, Pflanzen zu kultivieren, Ackerbau zu betreiben – und der Hund aß mit, was auf den Tisch kam. Daraus ist über die Jahrtausende die Lieblingsfrage jeder Futter-Diskussion geworden: Ist der Hund jetzt ein Allesfresser wie wir, oder immer noch ein Fleischfresser?

Um das zu beantworten, lohnt ein Blick auf die Uhr. Ja, der Hund hat sich seit der Domestikation verändert, in Gestalt und Verhalten. Aber Domestikation ist nicht dasselbe wie Evolution – dafür sind 15.000 Jahre schlicht zu kurz. Wie kurz, das wird erst im Vergleich richtig deutlich:

Zum Vergleich – wie lange Evolution wirklich dauert:

~9–14 Mio. Jahre  Fisch → Amphibie (aus Flossen werden Beine)

~10 Mio. Jahre  bis der erste Vogel Federn, Flügel und Flugfähigkeit hatte

~15.000 Jahre  Wolf → Hund

Gegen Jahrmillionen sind 15.000 Jahre ein Wimpernschlag. Und genau deshalb ist das Entscheidende beim Hund fast gleich geblieben: sein Verdauungstrakt. Der ähnelt nach wie vor dem des Wolfs und hat sich an die neuen Lebensumstände kaum angepasst. Außen hat sich viel getan, vom Chihuahua bis zur Dogge – innen erstaunlich wenig.

Der Hund ist kein Wolf

Diesen Satz hört man oft, gern auf den BARF-Infoseiten der Trockenfutterhersteller. Die Argumentation geht so: Der Hund ist kein Wolf, also soll er besser Trockenfutter auf Getreide- oder Kartoffelbasis fressen. Der erste Teil stimmt. Der Hund ist kein Wolf.

Nur: Beim Thema Ernährung ändert das wenig. Der Hund ist, genau wie sein Vorfahr, ein Karnivore – wobei selbst der Wolf kein reiner Fleischfresser ist. Man sieht es schon am Gebiss. Kräftige Fangzähne zum Packen, scharfkantige Backenzähne, die das Fleisch scherenartig zerschneiden und Knochen knacken. Echte Pflanzenfresser haben das genaue Gegenteil: große, flache Mahlzähne zum Zermahlen. Solche hat der Hund nie entwickelt.

Der Rest des Verdauungsapparats erzählt dieselbe Geschichte. Ein kurzer Darm. Eine Verdauung von höchstens etwa einem Tag. Kaum Verdauungsenzyme im Speichel. Und Verdauungssäfte, die vor allem auf einen Schlüsselreiz anspringen – Fleisch. Dass ein Hund auch mal Gras, Wurzeln, Beeren oder den Kot von Pflanzenfressern frisst? Stimmt. Macht der Wolf aber auch. Und dass im Mittelalter, als Fleisch knapp war, auch mal Brotreste im Napf landeten, ändert nichts an der Anatomie. Mahlzähne sind davon keine gewachsen. Nach Auffassung von BARFbike bleibt der Hund schlicht das, was sein Bauplan sagt: ein Fleischfresser.

Und was heißt das fürs Füttern?

BARF nimmt diesen Bauplan ernst. Die Idee ist simpel: sich daran orientieren, wie ein Beutetier aufgebaut ist – Muskelfleisch, Innereien wie Leber, Lunge, Herz, Niere, Milz, dazu Knochen und Knorpel. Obst und Gemüse gehören dazu, aber nicht in erster Linie als Vitaminquelle, sondern für die Rohfasern. Näher an der ursprünglichen Ernährung von Hund und Wolf kommt man kaum. Übrigens muss dabei nicht jede einzelne Mahlzeit perfekt ausbalanciert sein – entscheidend ist, dass über einen gewissen Zeitraum alles zusammenkommt.

Ehrlich bleiben gehört dazu: BARF ist nicht für jeden Hund und jeden Halter das Richtige. Es verlangt, sich mit dem Bedarf zu beschäftigen. Wie viele Fleischsorten? Wie viel Fleisch, wie viel Innerei? Welche Knochen? Und was, wenn der eigene Hund partout keine Leber mag oder alles hinunterschlingt, Knochen inklusive? Macht man das auf gut Glück, kann es schiefgehen – von der Unterversorgung über Knochenkot bis im Extremfall zum Darmverschluss. Deshalb gibt es bei BARFbike für Einsteiger wie Fortgeschrittene einen Futterplan nach Swanie Simon, damit am Ende wirklich alles drin ist, was reingehört.

Bleibt die Frage nach den Alternativen. Trocken- oder gar rein pflanzliches Futter halten wir bei BARFbike für nicht artgerecht, weil eine stark getreidebasierte Fütterung dem Verdauungsapparat des Hundes wenig entgegenkommt – der Schlüsselreiz Fleisch fehlt, und der Darm ist nicht auf große Mengen pflanzlicher Kost ausgelegt. Dass die Futterindustrie inzwischen auch Hunde vegetarisch oder vegan ernähren möchte, passt zum Zeitgeist, überzeugt uns aber nicht. Das ist unsere Haltung, offen gesagt – wer es genauer wissen will, findet die Argumente im Detail im Beitrag Omnivor oder Karnivor und im Vergleich der Fütterungsformen.

Am Ende führt der ganze Weg zurück ans Lagerfeuer. Ein Wolf, der einen ziemlich guten Deal gewittert hat – und ein Verdauungstrakt, der die Sache mit dem rohen Fleisch nie verlernt hat.

Sascha Wiengarn, Gründer von BARFbike, mit Hündin Ciara

Sascha Wiengarn

Gründer & Geschäftsführer von BARFbike. Schreibt über artgerechte Rohfütterung aus der Praxis eines Berliner BARF-Lieferdienstes. Mehr über BARFbike