BARF in der Trächtigkeit: Fütterung von der Belegung bis zur Entwöhnung
Die Trächtigkeit ist die biologisch anspruchsvollste Phase im Leben einer Hündin — innerhalb von nur 63 Tagen entstehen aus befruchteten Eizellen vollständig entwickelte Welpen. Was in dieser Zeit gefüttert wird, entscheidet nicht nur über die Gesundheit der Mutter, sondern legt den Grundstein für die Gesundheit jedes einzelnen Welpen. Die gute Nachricht: Wer bereits BARFt, hat die beste Ausgangslage. BARF lässt sich hervorragend auf die Bedürfnisse der trächtigen und säugenden Hündin anpassen — mit gezielten Anpassungen in Menge, Zusammensetzung und Nährstoffversorgung.
Auf einen Blick
- Trächtigkeitsdauer: ca. 63 Tage (9 Wochen)
- Woche 1–4: normaler BARF-Plan, Nährstoffversorgung sicherstellen
- Ab Woche 5: Futtermenge wöchentlich um ~10 % steigern — bis auf max. 1,5-fachen Bedarf
- Letzte 2 Wochen: 3–4 Mahlzeiten täglich, leicht verdaulich, keine ganzen Knochen
- Laktation: 2- bis 4-facher Energiebedarf je nach Wurfgröße
- Schlüsselnährstoffe: Calcium, Folsäure, Omega-3, Vitamin D, Eisen, Jod, Zink
Inhalt
- Vor der Trächtigkeit: die richtige Ausgangslage
- Woche 1–4: normaler BARF-Plan reicht — aber vollständig
- Woche 5–9: Energiebedarf steigt, Menge anpassen
- Die letzten zwei Wochen: kleiner, häufiger, leichter
- Die wichtigsten Nährstoffe in der Trächtigkeit
- Was ist mit Knochen?
- Laktation: die energiereichste Phase
- Hygiene — besonders wichtig in der Trächtigkeit
- Häufige Fragen
Vor der Trächtigkeit: die richtige Ausgangslage
Die Vorbereitung auf einen Wurf beginnt nicht erst mit der Trächtigkeit, sondern Wochen vorher. Die Hündin sollte bei der Belegung Idealgewicht haben — weder zu dünn noch zu dick. Übergewichtige Hündinnen haben geringere Ovulationsraten, ein höheres Risiko für Geburtsschwierigkeiten und eine oft schlechtere Milchleistung. Untergewichtige Hündinnen können in der Laktation erheblichen Substanzverlust erleiden. Ein glänzendes Fell, gute Bemuskelung und feste, gut geformte Kotballen sind die besten Zeichen, dass die bisherige Ernährung stimmt.
Wer jetzt noch auf BARF umstellen möchte, sollte das wenn möglich vor der Belegung tun — nicht erst während der Trächtigkeit. Die Umstellung selbst stresst den Körper ein wenig, was mitten in der Schwangerschaft unnötig ist.
Woche 1–4: normaler BARF-Plan reicht — aber vollständig
In den ersten vier Wochen der Trächtigkeit wachsen die Feten kaum — ihr Gewichtszuwachs ist minimal. Die Hündin braucht in dieser Phase nicht mehr Futter als sonst, der Energiebedarf bleibt praktisch gleich. Was sich ändert: Die Versorgung mit allen Nährstoffen muss lückenlos stimmen, weil bereits in der dritten Schwangerschaftswoche wichtige Organentwicklungen der Welpen stattfinden. Was jetzt fehlt, lässt sich später nicht vollständig nachholen.
Woche 1–4: Checkliste
- Futtermenge: wie gewohnt (2–3 % des Körpergewichts)
- BARF-Zusammensetzung vollständig und ausgewogen
- Omega-3-Versorgung sicherstellen (Lachsöl oder Fisch 1× pro Woche)
- Vitamin D: Fisch 1× pro Woche oder Dorschlebertran
- Folsäure im Blick behalten — besonders wichtig in der Frühphase
- Bewegung: weiter normal, aber kein Hochleistungssport, keine Sprünge
Woche 5–9: Energiebedarf steigt, Menge anpassen
Ab der fünften Woche beginnen die Welpen stark zu wachsen — das Gewicht der Hündin steigt, und mit ihm der Energiebedarf. Ab jetzt die Futtermenge wöchentlich um etwa 10 % erhöhen, bis die Hündin zum Ende der Trächtigkeit das 1,25- bis 1,5-fache ihrer normalen Ration bekommt. Wie viel genau richtig ist, hängt von Rasse, Wurfgröße und individuellem Körperbau ab — die Hündin sollte am Ende der Trächtigkeit rund 20–25 % mehr als ihr Ausgangsgewicht wiegen.
Weil der Bauch zunehmend Platz einnimmt und die Magenfüllmenge sinkt, ist es in dieser Phase sinnvoll, auf zwei bis drei Mahlzeiten pro Tag umzustellen statt einer großen Portion. So kann die Hündin die benötigte Gesamtmenge leichter aufnehmen.
Woche 5–9: Checkliste
- Futtermenge wöchentlich um ~10 % steigern
- Ziel: 1,25- bis 1,5-fache Tagesration am Ende der Trächtigkeit
- Auf 2–3 Mahlzeiten pro Tag aufteilen
- Calcium- und Phosphorversorgung jetzt besonders wichtig (Skelettentwicklung der Welpen)
- Kohlenhydratquellen wie Kartoffeln oder Haferflocken können als Energielieferanten ergänzt werden
- Fettreiche Komponenten moderat erhöhen für Energiedichte
Die letzten zwei Wochen: kleiner, häufiger, leichter
In den letzten zwei Wochen vor der Geburt ist der Bauch der Hündin voll ausgedehnt — Platz für große Mahlzeiten bleibt kaum. Jetzt auf 3–4 kleine Mahlzeiten täglich wechseln. Die Mahlzeiten sollten leicht verdaulich sein: mageres Geflügel, Kaninchen oder Fisch eignen sich besser als schweres, fettreiches Fleisch.
Ein bis zwei Tage vor dem errechneten Geburtstermin nimmt die Futtermenge meist von selbst ab — die Hündin verweigert größere Portionen, weil Hormone und der volle Bauch kaum Hunger zulassen. Das ist völlig normal. Am Tag selbst kann die Menge reduziert werden, Wasser muss aber immer zugänglich sein.
Die wichtigsten Nährstoffe in der Trächtigkeit
Ein ausgewogener BARF-Plan deckt viele Bedarfe bereits ab — aber in der Trächtigkeit gibt es einige Nährstoffe, die besondere Aufmerksamkeit verdienen:
Calcium und Phosphor
Ab der zweiten Trächtigkeitshälfte entwickeln die Welpen ihr Skelett — der Calciumbedarf steigt deutlich. Das Ca:P-Verhältnis sollte bei etwa 1,5:1 liegen. Rohknochen liefern Calcium effektiv, gegen Ende der Trächtigkeit aber besser auf gemahlenes Knochenmus oder Calciumcarbonat/Calciumcitrat umstellen (weniger Verletzungsrisiko für die Zähne). Mehr im Beitrag Calcium für BARF-Welpen großer Rassen.
Folsäure
Folsäure ist in den ersten Wochen der Trächtigkeit entscheidend — ein Mangel erhöht das Risiko von Missbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bei den Welpen erheblich. Der Bedarf liegt bei 6–8 µg je kg Körpergewicht. Leber, grünes Blattgemüse und Bierhefe liefern Folsäure; bei Unsicherheit ein spezifisches Supplement ergänzen.
Omega-3-Fettsäuren
DHA (aus Lachsöl oder fettem Fisch) ist entscheidend für die Hirnentwicklung und das Nervensystem der Welpen. In der Trächtigkeit ist Omega-3 wichtiger denn je — Lachsöl täglich, oder einmal pro Woche fetter Seefisch. Mehr dazu im Beitrag Lachsöl für Hunde.
Vitamin D
Vitamin D ist über Sonnenlicht beim Hund kaum zu decken — Fisch und Dorschlebertran sind die natürlichen Quellen. In der Trächtigkeit besonders wichtig für Knochenstoffwechsel und Immunentwicklung der Welpen. Mehr im Beitrag Vitamin D beim BARFen.
Eisen, Jod und Zink
Eisenmangel der Mutter kann zu Blutarmut bei ihr und erhöhter Infektionsanfälligkeit der Welpen führen. Jodmangel kann bei Neugeborenen einen Kropf verursachen. Zink ist wichtig für die Immunentwicklung. Leber (Eisenquelle), Seealgenmehl (Jodquelle) und abwechslungsreiche Proteinquellen decken diese Bedarfe in einem ausgewogenen BARF-Plan gut ab.
Was ist mit Knochen?
Rohknochen sind im normalen BARF-Plan eine wichtige Calcium-Quelle. In der Trächtigkeit gilt aber: In den letzten drei bis vier Wochen lieber auf gemahlenes Knochenmus oder Calciumpräparate (Calciumcarbonat oder Calciumcitrat) umsteigen. Der Grund ist pragmatisch: In der Hochlaktation direkt nach der Geburt hat die Hündin kaum Zeit und Ruhe zum intensiven Kauen — und das Risiko von Zahnfrakturen bei hartem Kauen steigt. Knochenmus liefert das gleiche Calcium ohne dieses Risiko.
Laktation: die energiereichste Phase
Die Geburt ist vollbracht — und jetzt beginnt die eigentlich anstrengendste Phase für den Körper der Hündin. Die Milchproduktion ist ein enormer Energieaufwand: Hündinnen mit vier Welpen brauchen das Doppelte ihres normalen Energiebedarfs, Hündinnen mit zehn bis zwölf Welpen sogar das Vierfache. Das ist eine der höchsten physiologischen Belastungen, die ein Hundekörper kennt.
In den ersten zehn bis zwölf Tagen nach der Geburt entwickelt sich der Appetit der Hündin nur langsam — viele Hündinnen fressen zunächst deutlich weniger als sie bräuchten. Futter muss daher dauerhaft zugänglich sein, also kein festes Fütterungsschema mehr. Ab der dritten bis vierten Woche nach der Geburt ist die Milchleistung am höchsten — hier braucht die Hündin die meiste Energie.
Laktation: Checkliste
- Futter dauerhaft zugänglich (kein festes Schema)
- 2- bis 4-facher Energiebedarf je nach Wurfgröße
- Hohes Protein, hohe Energiedichte — fettreichere Komponenten erlaubt
- Calcium-Phosphor-Verhältnis ~1,5:1 halten (Eklampsie-Prävention)
- Wasser immer verfügbar — Milchproduktion braucht viel Flüssigkeit
- Ab Woche 3–4 der Welpen: erste feste Nahrung für die Kleinen (Beitrag: Welpen auf BARF umstellen)
- Ab Woche 8: Welpen entwöhnen, Ration der Hündin wieder schrittweise senken
Mehr dazu, wie die Welpen selbst auf BARF gestartet werden, findest du im Beitrag Welpen auf BARF umstellen.
Hygiene — besonders wichtig in der Trächtigkeit
Rohes Fleisch bringt immer ein Keimrisiko mit — und in der Trächtigkeit ist das Immunsystem der Hündin leicht verändert, was sie etwas anfälliger machen kann. Die Hygieneregeln, die beim normalen BARFen gelten (saubere Arbeitsflächen, Hände waschen, Tiefkühlen), gelten hier mit besonderer Sorgfalt. Kein rohes Schweinefleisch — das Aujeszky-Virus ist zu jeder Zeit absolut tabu, aber in der Trächtigkeit ohne jede Ausnahme. Frische Qualität, sichere Quellen.
Häufige Fragen
Kann ich meine tragende Hündin normal weiter BARFen?
Ja — BARF ist für tragende Hündinnen gut geeignet. In den ersten vier Wochen bleibt der Plan wie gewohnt. Ab Woche fünf die Menge schrittweise erhöhen. Wer unsicher ist, ob der Plan vollständig ist, lässt ihn von einem BARF-erfahrenen Tierarzt kurz prüfen.
Wie viel mehr soll meine Hündin in der Trächtigkeit fressen?
In den ersten vier Wochen nichts mehr. Ab Woche fünf wöchentlich etwa 10 % mehr, bis das 1,25- bis 1,5-fache der normalen Ration erreicht ist. Das Ziel: Die Hündin am Ende der Trächtigkeit mit ca. 20–25 % mehr als ihrem Ausgangsgewicht.
Darf ich weiterhin Knochen füttern?
In den ersten Wochen ja. In den letzten drei bis vier Wochen der Trächtigkeit besser auf Knochenmus oder Calciumpräparate umstellen — sicherer und komfortabler für die Hündin.
Was ist Eklampsie — und wie hängt sie mit der Ernährung zusammen?
Eklampsie ist ein gefährlicher Calciummangel in der Laktation, ausgelöst durch enorme Calciumverluste über die Milch. Sie äußert sich in Muskelzittern, Krämpfen und ist ein Notfall. Vorbeugung: Ca:P-Verhältnis in der Laktation bei ~1,5:1 halten, ausreichend Calcium im Futterplan.
Muss ich in der Trächtigkeit Supplemente geben?
Ein vollständiger BARF-Plan deckt die meisten Bedarfe ab. Was besonders im Blick bleiben sollte: Folsäure (ab Beginn der Trächtigkeit), Calcium (ab Mitte der Trächtigkeit), Omega-3 und Vitamin D. Bei größeren Würfen oder wenn der Plan nicht komplett ausgewogen ist, kann ein spezifisches Trächtigkeitssupplement sinnvoll sein — am besten mit einem BARF-erfahrenen Tierarzt abstimmen.
Sascha Wiengarn
Gründer & Geschäftsführer von BARFbike. Schreibt über artgerechte Rohfütterung aus der Praxis eines Berliner BARF-Lieferdienstes. Mehr über BARFbike