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Fleisch & Komponenten

Roher Fisch beim BARFen: Welche Fischarten geeignet sind und worauf es ankommt

Roher Fisch gehört zu den wertvollsten Ergänzungen im BARF-Plan – und zu den am häufigsten falsch eingesetzten. Wer die drei Fallstricke kennt (Parasiten, Thiaminase, Quecksilber), kann Fisch bedenkenlos und regelmäßig verfüttern. Wer sie ignoriert, riskiert langfristige Mangelerscheinungen oder Parasitenbefälle. Dieser Beitrag erklärt, welche Fischarten sich eignen, wie oft Fisch auf den Plan kommt und was beim Verfüttern zu beachten ist.

Warum Fisch im BARF-Plan?

Fisch liefert, was Muskelfleisch allein nicht abdeckt: Vitamin D (vor allem Wildlachs, Hering, Sprotten, Sardinen), Omega-3-Fettsäuren (DHA und EPA für Fell, Gelenke, Gehirnfunktion) und Vitamin B12. Wer keinen Dorschlebertran zufüttert, deckt den Vitamin-D-Bedarf am effizientesten über eine wöchentliche Fischmahlzeit. Mehr zur Omega-3-Versorgung über Öle steht im Beitrag Lachsöl für Hunde.

Welche Fischarten sind geeignet – und welche nicht?

FischartRoh geeignet?Besonderheit
Lachs (Wildlachs)✓ ja, wenn vorher tiefgefrorenSehr reich an Omega-3 und Vitamin D; Parasiten durch Einfrieren abtöten
Sprotten / Sardinen✓ jaKalziumreich durch weiche Gräten; gut für kleine Hunde
Forelle✓ ja, wenn tiefgefrorenKein Thiaminase-Problem; leicht verdaulich
Kabeljau / Dorsch✓ jaMager, gut verträglich; wenig Omega-3, aber gute Proteinquelle
Hering⚠ nur in Maßen rohEnthält Thiaminase → nicht täglich roh; einfrieren tötet keine Thiaminase ab
Karpfen / Zander⚠ besser gegartHoher Thiaminase-Gehalt → roh nur gelegentlich in kleinen Mengen
Thunfisch / Makrele / Schwertfisch✗ seltenHohe Quecksilberbelastung bei großen Exemplaren; nur gelegentlich
Geräucherter Fisch✗ neinSalz- und Rauchgehalt zu hoch; ungeeignet

Thiaminase ist kälteresistent – Einfrieren hilft nicht. Nur Erhitzen zerstört das Enzym. Bei Fischarten ohne Thiaminase-Problem genügt Einfrieren zur Parasitenbekämpfung.

Parasiten: der einfachste Fallstrick

Roher Fisch – besonders Süßwasserfisch – kann Fischbandwürmer und andere Parasiten enthalten. Die gute Nachricht: Diese sind durch Einfrieren zuverlässig abzutöten. Mindestens eine Woche bei -20 °C reicht aus, um Parasiten in handelsüblichem Tiefkühl-Fisch sicher unschädlich zu machen. Wer frischen Fisch vom Markt bezieht, sollte diesen zuerst einfrieren, bevor er ihn verfüttert.

Eine Ausnahme: Rickettsien – Bakterien, die in rohem Lachs vorkommen können. Sie sind zwar selten ein Problem, aber ein weiterer Grund, Lachs immer tiefgefroren und nicht frisch roh zu verfüttern.

Thiaminase: das unterschätzte Enzym

Thiaminase ist ein Enzym, das Vitamin B1 (Thiamin) abbaut. Bestimmte Fischarten enthalten es in relevanten Mengen: Hering, Karpfen, Zander, Brassen, Makrele und einige andere. Wer diese Fischarten regelmäßig roh verfüttert, riskiert langfristig einen Vitamin-B1-Mangel – mit Folgen wie Nervenproblemen, Muskelschwäche und im Extremfall Krampfanfällen.

Wichtig zu wissen: Thiaminase ist kälteresistent – Einfrieren hilft nicht. Das Enzym wird nur durch Erhitzen zerstört. Wer Hering oder Karpfen roh verfüttern möchte, sollte das selten und in kleinen Mengen tun oder die Fische vorher kurz garen. Fischarten ohne Thiaminase – Lachs, Forelle, Sprotten, Kabeljau – kann man bedenkenlos roh verfüttern (nach dem Einfrieren).

Quecksilber: warum große Raubfische nur selten

Quecksilber reichert sich in der Nahrungskette an – je größer und älter der Fisch, desto höher die Belastung. Thunfisch, Schwertfisch und große Makrelen sollten deshalb nur gelegentlich und in kleinen Mengen gegeben werden. Kleine Fische (Sprotten, Sardinen, Hering) sind in dieser Hinsicht deutlich unbedenklicher. Für die regelmäßige Fischmahlzeit im BARF-Plan eignen sich daher Lachs, Forelle und Sprotten am besten.

Wie oft und wie viel Fisch?

Die bewährte Faustregel: 1× pro Woche ersetzt eine Muskelfleischmahlzeit komplett durch Fisch. Das reicht aus, um den Vitamin-D-Bedarf über natürliche Quellen zu decken. Die Menge richtet sich nach dem üblichen Muskelfleischanteil für den jeweiligen Hund. Wer die Vitamin-D-Versorgung lieber über Dorschlebertran oder Lachsöl steuert, kann Fisch auch seltener einsetzen – dann aber trotzdem gelegentlich, um die Omega-3-Vielfalt zu nutzen. Mehr zur Strukturierung der Woche findest du im BARF-Wochenplan.

Was ist mit Gräten?

Rohe Gräten kleiner Fische (Sprotten, Sardinen, Hering) sind weich und können problemlos mitgefüttert werden – sie liefern sogar Kalzium. Große, harte Gräten (z. B. aus Karpfen oder großen Lachsen) können ein Risiko darstellen und sollten entfernt werden. Niemals gegarte oder geräucherte Gräten verfüttern: Durch das Erhitzen werden sie hart und spröde und können splittern.

Häufige Fragen

Muss ich Lachs immer einfrieren, bevor ich ihn verfüttere?

Ja – roher frischer Lachs sollte vor dem Verfüttern mindestens eine Woche bei -20 °C tiefgefroren werden, um Parasiten und Rickettsien-Bakterien abzutöten. Handelsüblicher Tiefkühllachs ist in der Regel bereits ausreichend behandelt.

Darf mein Hund Hering roh bekommen?

Ja, aber nicht täglich und nicht in großen Mengen. Hering enthält Thiaminase, die Vitamin B1 zerstört. Gelegentlich und in kleiner Menge ist das unproblematisch. Wer Hering öfter einsetzen möchte, sollte ihn kurz garen – Einfrieren hilft gegen Thiaminase nicht.

Kann ich Dosenfisch (Thunfisch in Wasser) verfüttern?

In kleinen Mengen gelegentlich kein Problem. Für die regelmäßige Fischmahlzeit ist er nicht ideal: hoher Natriumgehalt, mögliche Quecksilberbelastung bei Thunfisch, und die Nährstoffe sind durch die Verarbeitung reduziert. Frischer oder tiefgekühlter Fisch ist die bessere Wahl.

Zählt Fisch als Muskelfleisch oder als eigene Komponente?

Im BARF-Plan ersetzt Fisch 1× pro Woche den Muskelfleischanteil – er zählt also als Proteinquelle, nicht als Ergänzung. Die Innereien- und Knochenportion bleibt an diesem Tag gleich.

Sascha Wiengarn, Gründer von BARFbike, mit Hündin Ciara

Sascha Wiengarn

Gründer & Geschäftsführer von BARFbike. Schreibt über artgerechte Rohfütterung aus der Praxis eines Berliner BARF-Lieferdienstes. Mehr über BARFbike