Shopware Nettopreise einrichten: so zeigst du B2B-Kunden die richtigen Preise
Wenn ein Geschäftskunde in deinem Shopware-Shop Brutto-Preise sieht, ist das mehr als ein Darstellungsproblem. Es signalisiert dass der Shop nicht für ihn gebaut wurde – und dass er die Preise mental immer erst um 19 % bereinigen muss bevor er kalkulieren kann. Nettopreise für B2B-Kunden einzurichten ist in Shopware kein großes Projekt, aber es gibt Fallstricke die erst später auftauchen. Dieser Artikel zeigt den vollständigen Weg.
Die Netto-Anzeige ist dabei nur der sichtbare Teil. Damit ein Firmenkunde automatisch netto sieht, muss er vorher als Geschäftskunde erkannt und freigegeben worden sein — diese Kette aus Registrierung, Prüfung und Kundengruppe liefert das Shopware B2B Plugin. Wie die Anzeige im Detail arbeitet, steht unter Nettopreise für Geschäftskunden.
Inhalt
- Wie Shopware Netto- und Bruttopreise intern behandelt
- Nettopreise einrichten: Schritt für Schritt
- Steuerlogik: was sich ändert und was nicht
- Internationale B2B-Kunden: der Sonderfall
- Preisanzeige kontrollieren: was der Kunde wirklich sieht
- Die häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest
- Häufige Fragen
Wie Shopware Netto- und Bruttopreise intern behandelt
Bevor es an die Konfiguration geht, ist ein Grundverständnis wichtig – weil hier die meisten Fehler entstehen.
Shopware speichert Produktpreise intern in einer Basisdarstellung. Ob das Netto oder Brutto ist, hängt von der Shop-Grundkonfiguration ab: unter Einstellungen → Shop → Preise gibt es die Option „Preise in der Datenbank als Netto-Preise speichern". Diese Einstellung sollte bei der Shop-Ersteinrichtung gesetzt werden – nachträgliches Ändern ist mit erheblichem Aufwand verbunden, weil alle Produktpreise neu berechnet werden müssten.
Nettopreise einrichten: Schritt für Schritt
1. Kundengruppe B2B anlegen oder bearbeiten
Unter Kunden → Kundengruppen die B2B-Gruppe aufrufen (oder neu anlegen falls noch nicht vorhanden). Dort gibt es die Einstellung „Bruttopreise anzeigen" – diese deaktivieren. Ab sofort sehen alle Kunden in dieser Gruppe Netto-Preise.
2. Steuerhinweis im Shop konfigurieren
Shopware zeigt unter Preisen standardmäßig einen Steuerhinweis: „inkl. MwSt." oder „zzgl. MwSt." Für B2B-Kunden sollte dort „zzgl. gesetzlicher MwSt." stehen. Dieser Text ist in den Snippet-Einstellungen anpassbar.
3. Checkout-Zusammenfassung prüfen
Im Checkout muss die Steuerberechnung korrekt ausgewiesen sein: Netto-Warenwert, MwSt.-Betrag, Brutto-Gesamtbetrag. B2B-Kunden brauchen das für ihre Buchhaltung. Als eingeloggter B2B-Test-Kunde einen Beispielkauf bis zum Checkout durchgehen und alle Positionen prüfen.
4. Bestätigungs-E-Mail und Rechnung prüfen
Die automatisch generierte Bestellbestätigung und die Rechnung müssen für B2B-Kunden ebenfalls Netto-Werte ausweisen. In Shopware werden E-Mail-Templates kundengruppen-spezifisch konfiguriert. Eine separate E-Mail-Vorlage für B2B-Kunden anlegen die Netto-Positionen zeigt.
Steuerlogik: was sich ändert und was nicht
Netto-Preisanzeige ist nicht dasselbe wie steuerfreie Lieferung. Das ist der häufigste Irrtum beim B2B-Setup.
| Situation | Steuerbehandlung | Shopware-Einstellung |
|---|---|---|
| Inländischer B2B-Kunde (DE) | 19 % MwSt. wird berechnet und ausgewiesen – nur die Darstellung ist netto | Kundengruppe: Netto-Anzeige |
| EU-Unternehmen mit gültiger USt-ID | Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung – 0 % MwSt. | Zusätzlich: Steuerregel für EU-B2B, USt-ID-Validierung |
| Drittland (Schweiz, UK etc.) | Ausfuhrlieferung steuerfrei, ggf. Einfuhrzoll beim Empfänger | Steuerregel für Drittlandkunden |
Für den einfachen Fall – deutsche B2B-Kunden kaufen bei einem deutschen Händler – ist die Konfiguration unkompliziert. Die MwSt. wird weiterhin berechnet, nur die Darstellung wechselt auf Netto. Komplexer wird es bei EU-Kunden mit USt-ID: hier muss Shopware die Steuerfreiheit der Lieferung korrekt abbilden.
Internationale B2B-Kunden: der Sonderfall
Ein österreichischer oder französischer Geschäftskunde mit gültiger USt-ID hat Anspruch auf eine steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung. Shopware kann das abbilden – aber es braucht die richtige Konfiguration:
- Steuerregel anlegen: „Kundengruppe B2B UND Lieferland EU-Ausland → 0 % MwSt."
- USt-ID-Feld im Kundenprofil aktivieren – Shopware hat das Feld, es muss nur sichtbar gemacht werden
- Optional: automatische USt-ID-Validierung über das EU-VIES-System (verhindert gefälschte USt-IDs)
- Auf der Rechnung muss die Steuerfreiheit mit dem Verweis auf den entsprechenden Paragraph ausgewiesen sein
Preisanzeige kontrollieren: was der Kunde wirklich sieht
Nach der Konfiguration ist eine vollständige Sichtprüfung aus Kundenperspektive Pflicht. Checkliste für den B2B-Test-Login:
- Produktlistenseite: werden Netto-Preise angezeigt mit „zzgl. MwSt." Hinweis?
- Produktdetailseite: Netto-Preis korrekt, Staffelpreise in Netto dargestellt?
- Warenkorb: Netto-Zwischensumme, MwSt.-Betrag separat, Brutto-Gesamtbetrag?
- Checkout: Zahlungsübersicht zeigt korrekte Beträge?
- Bestellbestätigung per E-Mail: Netto-Werte korrekt ausgewiesen?
- Rechnung (falls automatisch generiert): buchhalterisch korrekt mit Steuernummer des Händlers?
Die häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Netto-Anzeige aktiviert, aber Preise wurden brutto eingepflegt
Wenn ein Produkt 119 € kostet und dieser Betrag als Brutto-Preis in Shopware gespeichert ist, aber die Kundengruppe Netto-Anzeige hat, sieht der B2B-Kunde 100 € (119 € ÷ 1,19). Das ist gewollt. Wenn aber der Preis ursprünglich als Netto-Preis gemeint war (100 € ist der Netto-Preis) und trotzdem 119 € eingepflegt wurde, sieht der B2B-Kunde 100 € statt 100 € – und der B2C-Kunde sieht 119 € statt dem korrekten Brutto-Preis von 119 €. Verwirrend: kurz vor dem Launch prüfen wie Preise in der Datenbank gespeichert sind.
Fehler 2: E-Mail-Templates nicht angepasst
B2B-Kunden bekommen die Standard-Bestellbestätigung mit Brutto-Beträgen. Das sieht unprofessionell aus und erschwert die Buchhaltung beim Kunden. Separate B2B-E-Mail-Templates anlegen.
Fehler 3: Steuerfreiheit für EU-Kunden nicht eingerichtet
Ein österreichisches Unternehmen kauft und bekommt trotzdem 19 % deutsche MwSt. berechnet. Das ist falsch – und wenn der Händler es nicht korrigiert, muss er die MwSt. trotzdem ans Finanzamt abführen. Die Steuerregel für EU-B2B ist kein optionales Feature.
Häufige Fragen
Können B2B- und B2C-Kunden denselben Shop nutzen?
Ja. B2B-Kunden sehen nach Login Netto-Preise, B2C-Kunden sehen Brutto-Preise. Das funktioniert im selben Shop über die Kundengruppen-Einstellung – kein separater Sales-Channel nötig.
Was passiert wenn ein B2B-Kunde nicht eingeloggt ist?
Nicht eingeloggte Besucher sehen die Standard-Preisanzeige des Shops – in der Regel Brutto. Erst nach Login mit einem B2B-Konto wechselt die Anzeige auf Netto. Alternativ kann man nicht eingeloggte Besucher auf eine Registrierungsseite leiten bevor sie Preise sehen.
Muss ich für jeden B2B-Kunden separat die Netto-Anzeige aktivieren?
Nein. Die Einstellung gilt für die gesamte Kundengruppe. Jeder Kunde der der Gruppe B2B zugeordnet ist, sieht automatisch Netto-Preise. Neue Kunden der Gruppe B2B zuordnen – fertig.
Wie weise ich neue B2B-Kunden automatisch der richtigen Gruppe zu?
Nativ: manuell im Backend nach Registrierungsprüfung. Mit Plugin: automatisch nach Freigabe durch den Händler – Gewerbenachweis hochladen, Händler bestätigt per Klick, Kundengruppe wird automatisch gesetzt.
Ertragswerke B2B Suite
Automatische Kundengruppen-Zuweisung bei Freigabe, USt-ID-Validierung, Netto-Preise sofort nach Login – vollständige B2B-Infrastruktur für Shopware Community und Rise.
Zur B2B Suite →
Geschäftsführer Rawmantiker UG. Hat das MwSt.-Problem bei internationalen B2B-Kunden auf die harte Tour gelernt.