Shopware individuelle Preise: Kundenpreise und B2B-Preislisten verwalten
Im Verkauf an Unternehmen ist der Listenpreis selten der Preis, der am Ende gilt. Du verhandelst mit einem Stammkunden einen Staffelpreis für die Artikel, die er ohnehin jeden Monat abnimmt. Ein Wiederverkäufer bekommt eine eigene Konditionsliste. Ein Großabnehmer hat für zwölf Positionen Festpreise, für den Rest den normalen Händlerrabatt.
Solange diese Vereinbarungen nur in einer Excel-Datei und im Kopf des Vertriebs existieren, kann der Kunde nicht online bestellen. Er ruft an oder schickt eine Mail — und dein Shop ist für ihn ein Katalog, kein Bestellsystem. Dieser Artikel zeigt dir, wie du ausgehandelte Preise sauber im Shop hinterlegst, wann ein Festpreis besser ist als ein Prozentrabatt, welcher Preis bei mehreren konkurrierenden Regeln gewinnt und wie die Ertragswerke B2B Suite das in Shopware 6 abbildet.
In der Ertragswerke B2B Suite übernimmt das eine Preislisten-Engine, die feste Nettopreise je Firma oder Kundengruppe speichert. Der Grund, warum das ein eigenes Modul rechtfertigt: Ein Preis, der auf der Produktseite stimmt und im Warenkorb nicht, kostet dich mehr Zeit, als die ganze Automatisierung spart.
Wie lassen sich in Shopware individuelle Kundenpreise hinterlegen?
Über eine Preisliste, die einem einzelnen Unternehmen oder einer Kundengruppe zugeordnet ist. Darin steht je Produkt ein fester Nettopreis, optional gestaffelt nach Menge. Meldet sich der Kunde an, ersetzt dieser hinterlegte Preis den regulären Verkaufspreis — in der Produktliste, auf der Detailseite, in der Schnellbestellung und im Warenkorb.
Der Unterschied zu einem einfachen Rabatt
Ein Rabatt rechnet vom Listenpreis herunter. Ein individueller Kundenpreis ersetzt ihn. Das klingt nach einem Detail, hat aber Folgen: Änderst du den Listenpreis, wandert der Rabattpreis automatisch mit — der vereinbarte Festpreis dagegen bleibt, wo er vereinbart wurde. Genau das erwartet ein Einkäufer, der dir eine unterschriebene Konditionsvereinbarung vorlegen kann.
Wo der Preis überall greifen muss
Ein häufiger Fehler in selbstgebauten Lösungen: Der individuelle Preis erscheint auf der Produktdetailseite, aber nicht in der Übersicht — oder er greift im Warenkorb, aber nicht in der Schnellbestellung. Das Ergebnis sind Rückfragen und verlorenes Vertrauen. Ein kundenspezifischer Preis muss an allen Stellen konsistent sein:
- Kategorie- und Listenansicht
- Produktdetailseite inklusive Staffelanzeige
- Suchergebnisse
- Schnellbestellung
- Warenkorb und Checkout
- Bestellbestätigung und Rechnung
Was ist der Unterschied zwischen Firmenpreisen und Kundengruppenpreisen?
Ein Kundengruppenpreis gilt für alle Unternehmen einer Gruppe, etwa für alle Wiederverkäufer. Ein Firmenpreis gilt nur für ein einzelnes Unternehmen. Beide können parallel existieren. Trifft für dasselbe Produkt beides zu, hat der spezifischere Firmenpreis Vorrang — die Gruppe liefert die Basiskonditionen, die Firma die Ausnahme.
Zwei Ebenen, ein Prinzip
| Kundengruppenpreis | Firmenpreis | |
|---|---|---|
| Gilt für | Alle Firmen der Gruppe | Ein einzelnes Unternehmen |
| Typischer Einsatz | Händler-, Wiederverkäufer- oder Großkundenniveau | Individuell verhandelte Vereinbarung |
| Pflegeaufwand | Einmal für viele Kunden | Pro Kunde |
| Vorrang bei Überschneidung | Nachrangig | Vorrangig |
| Gut geeignet für | Standardisierte Konditionsstufen | Jahresvereinbarungen, Projektpreise |
Warum du beide Ebenen brauchst
Wenn du alles über Firmenpreise löst, pflegst du dieselben Konditionen hundertfach. Wenn du alles über Gruppen löst, kannst du keine Einzelvereinbarung abbilden — und genau die ist im B2B der Normalfall. Der praktikable Weg sind zwei bis vier saubere Konditionsstufen als Gruppen und darüber die Ausnahmen je Firma.
Ein konkretes Beispiel
Deine Gruppe „Fachhandel" bekommt einen Reinigungskonzentrat-Kanister zu 42,00 € netto. Mit einem Kunden, der jährlich rund 400 Kanister abnimmt, hast du 36,50 € vereinbart. Du legst den Gruppenpreis für alle Fachhändler an und zusätzlich einen Firmenpreis für dieses Unternehmen. Alle anderen Fachhändler sehen 42,00 €, dieser eine Kunde sieht 36,50 € — ohne dass du für ihn eine eigene Kundengruppe erfinden musst.
Warum ein Festpreis oft besser ist als ein prozentualer Rabatt
Weil ein Prozentrabatt vom Listenpreis abhängt und ein Festpreis nicht. Verhandeln Einkauf und Vertrieb über eine konkrete Zahl, dann ist diese Zahl die Vereinbarung — nicht eine Rechenoperation, deren Ergebnis sich bei der nächsten Preisliste verschiebt. Ein Festpreis ist außerdem nachvollziehbar: Der Kunde sieht genau den Preis, über den gesprochen wurde.
Das Problem gestapelter Rabatte
Sobald mehrere Nachlässe zusammenkommen, wird das Ergebnis für beide Seiten schwer nachvollziehbar. Ein Beispiel: 12 % Händlerrabatt, zusätzlich 5 % ab 100 Stück, dazu 3 % Warenkorbrabatt ab 2.500 €. Rechnet dein System die Rabatte nacheinander auf den jeweils reduzierten Betrag oder addiert es sie? Beide Varianten sind vertretbar, führen aber zu unterschiedlichen Endpreisen. Der Einkäufer prüft die Rechnung, kommt auf eine andere Zahl und ruft an.
Wann der Prozentrabatt trotzdem richtig ist
Nicht alles gehört in eine Preisliste. Ein allgemeiner Händlerrabatt über das gesamte Sortiment ist als Prozentwert deutlich pflegeleichter als tausende Einzelpreise — ebenso wie Mengen- und Warenkorbstaffeln, die sich an der Abnahmemenge statt am einzelnen Kunden orientieren. Die Faustregel: Sortimentsweite Konditionen als Rabatt, verhandelte Einzelpositionen als Festpreis.
| Situation | Passendes Instrument |
|---|---|
| Alle Fachhändler bekommen 12 % auf alles | Prozentualer Händlerrabatt |
| Ab 5.000 € Warenkorbwert 3 % zusätzlich | Warenkorbwertstaffel |
| Ab 100 Stück dieses Artikels günstiger | Mengenstaffel am Produkt |
| Für diesen Kunden gilt 36,50 € statt 42,00 € | Fester Firmenpreis |
| Einmalige Projektkalkulation | Angebot |
Können Festpreise und Mengenstaffeln kombiniert werden?
Ja. Eine Preisliste kann für dasselbe Produkt mehrere Preisstufen enthalten, die jeweils ab einer bestimmten Abnahmemenge gelten. Der Kunde sieht die Staffel auf der Produktseite und im Warenkorb greift automatisch die Stufe, die zur bestellten Menge passt. Damit lassen sich Jahresvereinbarungen mit Mengenzusagen realistisch abbilden.
So sieht eine gestaffelte Kundenpreisliste aus
| Artikel | ab 1 Stück | ab 50 Stück | ab 200 Stück |
|---|---|---|---|
| Kanister Reinigungskonzentrat 10 l | 38,90 € | 36,50 € | 34,80 € |
| Handschuhe Nitril, Karton | 62,00 € | 58,40 € | 55,90 € |
| Wischbezug Mikrofaser 40 cm | 4,75 € | 4,35 € | 4,10 € |
Alle Werte netto. Für diesen Kunden ersetzen sie den regulären Verkaufspreis vollständig — unabhängig davon, welche allgemeinen Rabattregeln sonst noch aktiv sind.
Der Nebeneffekt auf das Bestellverhalten
Eine sichtbare Staffel ist nicht nur Preisgestaltung, sondern auch Kommunikation. Der Einkäufer sieht direkt, dass sich die nächste Stufe bei 200 statt 180 Stück lohnt, und passt die Bestellmenge an. Das erhöht den durchschnittlichen Auftragswert, ohne dass jemand im Vertrieb nachfassen muss.
Welcher Preis gilt, wenn mehrere Rabattregeln zusammentreffen?
Der spezifischste. Existiert für ein Produkt ein hinterlegter Firmenpreis, gilt dieser und ersetzt für diese Position die allgemeinen prozentualen Rabatte. Gibt es keinen Firmenpreis, greift der Kundengruppenpreis. Existiert auch der nicht, gelten die regulären Rabattmechanismen — Händlerrabatt, Mengenstaffel und Warenkorbstaffel.
Die Rangfolge im Überblick
| Rang | Regel | Wirkung |
|---|---|---|
| 1 | Angenommenes Angebot | Gilt für den konkreten Vorgang |
| 2 | Firmenpreis aus der Preisliste | Ersetzt allgemeine Rabatte für diese Position |
| 3 | Kundengruppenpreis aus der Preisliste | Ersetzt allgemeine Rabatte für diese Position |
| 4 | Firmenspezifischer Rabatt | Abweichender Prozentsatz statt Standard |
| 5 | Allgemeiner Händlerrabatt | Gilt sortimentsweit |
| 6 | Mengen- und Warenkorbstaffel | Ergänzend nach Menge oder Wert |
Warum „ersetzen" besser ist als „zusätzlich"
Würde ein Firmenpreis zusätzlich zu den allgemeinen Rabatten wirken, entstünde ein Preis, den niemand vereinbart hat — der ausgehandelte Nettopreis minus weitere 12 % Händlerrabatt. Das ist wirtschaftlich unerwünscht und für den Kunden verwirrend. Deshalb gilt: Der individuelle Preis ist die Vereinbarung, nicht der Ausgangspunkt für weitere Nachlässe.
Was du dokumentieren solltest
Halte die Rangfolge intern schriftlich fest und gib sie deinem Vertrieb an die Hand. Die häufigste Ursache für Preisreklamationen ist nicht ein technischer Fehler, sondern eine mündliche Zusage, die nicht zur konfigurierten Logik passt.
Wie können große Preislisten per CSV importiert werden?
Über einen Import, der Artikelnummer, Preis und optional die Mengenstufe je Zeile einliest und einer Firma oder Kundengruppe zuordnet. Das ist der praktikable Weg, wenn eine Konditionsvereinbarung hunderte Positionen umfasst. Positionen mit unbekannter Artikelnummer werden gemeldet, statt still übersprungen zu werden.
Eine schlanke Importstruktur
| Spalte | Inhalt | Beispiel |
|---|---|---|
| Artikelnummer | Eindeutige Produktnummer | SW-10023 |
| Menge ab | Untergrenze der Preisstufe | 50 |
| Nettopreis | Preis für diese Stufe | 36.50 |
Für ein Produkt ohne Staffel genügt eine Zeile mit „Menge ab 1". Für eine dreistufige Staffel entstehen drei Zeilen mit derselben Artikelnummer.
Was beim Import schiefgehen kann
Die drei häufigsten Stolpersteine sind Dezimaltrennzeichen, führende Nullen in Artikelnummern und Zeichensätze. Ein Preis von „36,50" wird von vielen Systemen als Text interpretiert, eine Artikelnummer „0012" verliert in Excel die Nullen und Umlaute brechen bei falscher Kodierung. Es lohnt sich, die Vorlage einmal sauber aufzusetzen und dem Vertrieb genau diese Datei als Standard zu geben.
Import ist kein ERP-Anschluss
Ein CSV-Import ersetzt keine dauerhafte Systemanbindung. Er ist die pragmatische Brücke für Konditionen, die ohnehin in einer Tabelle verhandelt und dokumentiert werden. Wer Preise laufend automatisch aus einem Warenwirtschaftssystem synchronisieren will, braucht eine Schnittstelle — das ist ein anderes Projekt mit anderem Aufwand.
Wie setzt die Ertragswerke B2B Suite individuelle Preise um?
Die Suite bringt eine Preislisten-Engine mit, die feste Nettopreise je Produkt speichert und sie entweder einer einzelnen Firma oder einer gesamten Kundengruppe zuordnet. Je Produkt lassen sich mehrere Preisstufen ab einer festgelegten Menge hinterlegen. Der Firmenpreis hat Vorrang vor dem Gruppenpreis, und ein hinterlegter Festpreis ersetzt für diese Position die allgemeinen prozentualen Rabatte.
Die Bausteine im Zusammenspiel
| Baustein | Was er macht |
|---|---|
| Preisliste je Firma | Verhandelte Nettopreise für ein einzelnes Unternehmen |
| Preisliste je Kundengruppe | Konditionsstufen für ganze Kundensegmente |
| Preisstufen nach Menge | Mehrere Nettopreise ab definierten Abnahmemengen |
| Allgemeiner Händlerrabatt | Prozentualer Nachlass über das Sortiment |
| Abweichender Firmenrabatt | Individueller Prozentsatz statt Standardrabatt |
| Warenkorbwertstaffel | Zusätzlicher Nachlass ab bestimmten Bestellwerten |
| Produktmengenstaffel | Klassische Staffel am Artikel |
| Angebotsrabatt | Konditionen für einen konkreten Vorgang |
Ein durchgängiges Beispiel
Ein Fachhändler ist als Firmenkunde freigegeben und der Gruppe „Fachhandel" mit 12 % Händlerrabatt zugeordnet. Für drei Artikel wurden mit ihm Festpreise vereinbart, für einen davon eine Dreier-Staffel. Bestellt er einen dieser drei Artikel, sieht er den vereinbarten Preis — ohne zusätzliche 12 %. Bestellt er ein beliebiges anderes Produkt aus dem Katalog, greift der normale Händlerrabatt seiner Gruppe. Beides steht nebeneinander im selben Warenkorb, und der Kunde kann beides nachvollziehen.
Warum die Konsistenz über alle Bestellwege zählt
Individuelle Preise sind nur dann eine Entlastung, wenn sie überall gelten. In der Suite greifen die hinterlegten Preise auch dort, wo B2B-Kunden tatsächlich arbeiten: in der Schnellbestellung per Artikelnummer, beim Übernehmen einer gespeicherten Bestellliste und bei automatisch ausgelösten Wiederholungsbestellungen. Ein Preis, der nur auf der Produktdetailseite korrekt ist, erzeugt am Ende mehr Arbeit, als er spart.
Kompatibilität
Die Ertragswerke B2B Suite ist mit Shopware 6.6 und 6.7 kompatibel. Die Preislogik setzt auf den vorhandenen Shopware-Mechanismen auf, statt eine parallele Preiswelt daneben zu stellen — Bestellungen, Rechnungen und angebundene Systeme sehen weiterhin reguläre Shopware-Preise.
Häufige Fragen
Sieht ein nicht angemeldeter Besucher die individuellen Preise?
Nein. Kundenspezifische Preise setzen ein angemeldetes, freigegebenes Firmenkonto voraus. Nicht angemeldete Besucher sehen die regulären Preise deines Shops.
Was passiert, wenn ich den Listenpreis eines Produkts ändere?
Der hinterlegte Kundenpreis bleibt unverändert. Genau das ist der Zweck eines Festpreises: Er ist die Vereinbarung und nicht das Ergebnis einer Rechnung auf den aktuellen Listenpreis.
Können individuelle Preise befristet werden?
Jahresvereinbarungen und Aktionskonditionen laufen aus. Plane deshalb einen festen Überprüfungstermin ein und nutze den CSV-Import, um eine ganze Preisliste in einem Durchgang zu aktualisieren.
Kann ein Kunde gleichzeitig Festpreise und einen Prozentrabatt haben?
Ja, aber nicht auf derselben Position. Für Artikel mit hinterlegtem Festpreis gilt der Festpreis, für alle übrigen Artikel greift der Rabatt seiner Gruppe oder sein individueller Firmenrabatt.
Wie viele Preisstufen pro Produkt sind sinnvoll?
In der Praxis genügen zwei bis vier. Mehr Stufen erhöhen den Pflegeaufwand, ohne das Bestellverhalten spürbar zu verändern — die meisten Einkäufer orientieren sich an der nächsterreichbaren Stufe.
Werden individuelle Preise auf der Rechnung korrekt ausgewiesen?
Ja. Da die Preise in die reguläre Shopware-Bestellung einfließen, erscheinen sie in Bestellbestätigung, Lieferschein und Rechnung wie jeder andere Positionspreis.
Kann ich Preislisten kopieren?
Der pragmatische Weg führt über den Export beziehungsweise die vorhandene CSV-Vorlage: Datei anpassen, unter der neuen Firma importieren. Das ist bei umfangreichen Listen schneller als jede Kopierfunktion in der Oberfläche.
Individuelle Preise entfalten ihren Nutzen erst zusammen mit dem Rest der Kette: einem geprüften Firmenkonto, an dem die Konditionen hängen, Mitarbeitern, die zu diesen Preisen bestellen dürfen, und Bestellwegen, in denen die Preise zuverlässig greifen. Wie diese Bausteine ineinandergreifen, zeigt unsere Übersicht zum Shopware B2B Plugin.