Shopware Einkaufspreise und Marge direkt im Backend prüfen
Shopware weiß, was deine Produkte kosten. Es weiß nicht, was sie dich kosten. Der Einkaufspreis ist im Standard kein Feld, und damit ist auch die Marge keine Zahl, die irgendwo steht — sie lebt in einer Excel-Datei, die zuletzt im Frühjahr aktualisiert wurde.
Das fällt so lange nicht auf, wie die Einkaufspreise stabil bleiben. Sie bleiben es nicht. Lieferanten erhöhen, meist ohne Ankündigung, und die neue Rechnung ist einfach zwei Prozent höher. Wer das nicht bemerkt, verkauft monatelang weiter zum alten Preis mit geschrumpfter Marge. Dieser Artikel zeigt, wo der Einkaufspreis hingehört und wie eine Preiserhöhung auffällt, bevor sie wehtut.
Die Ertragswerke Warenwirtschaft zeigt EK netto, VK brutto, Steuersatz und die daraus errechnete Marge nebeneinander — und macht beim Wareneingang einen abweichenden Beleg-EK sichtbar. Das ist der Moment, in dem eine stille Preiserhöhung auffliegt.
Wo wird der Einkaufspreis in Shopware gepflegt?
Im Standard nirgends. Shopware führt Verkaufspreise, Kundengruppenpreise und Staffeln, aber kein Feld für den Einkaufspreis — es ist ein Shopsystem und keine Warenwirtschaft. Eine Erweiterung ergänzt den EK am Artikel und, sinnvollerweise, zusätzlich je Lieferant.
Warum der EK an zwei Stellen sinnvoll ist
| Ebene | Enthält | Genutzt für |
|---|---|---|
| Am Artikel | Aktueller Einkaufspreis | Marge, Lagerwert, Auswertung |
| An der Lieferantenzuordnung | EK dieser Bezugsquelle | Bestellung, Preisvergleich, Belegabgleich |
Beziehst du einen Artikel von zwei Lieferanten, gibt es zwei Einkaufspreise. Der eine für 3,25 €, der andere für 3,48 € bei kürzerer Lieferzeit. Beide gehören ins System — die Marge rechnet mit dem, zu dem du tatsächlich eingekauft hast. Details im Ratgeber zur Lieferantenverwaltung.
Der EK ist eine Kette, kein Wert
Ein Einkaufspreis entsteht aus Gebindepreis geteilt durch Gebindeinhalt. Der Karton kostet 78,00 €, enthält 24 Stück, macht 3,25 € je Verkaufseinheit. Stimmt die Gebindegröße nicht, stimmt der EK nicht — und damit auch nicht Marge und Lagerwert.
Wie wird die Marge eines Produkts berechnet?
Aus der Differenz zwischen Nettoverkaufspreis und Nettoeinkaufspreis, bezogen auf den Verkaufspreis. Da Verkaufspreise im Shop meist brutto gepflegt werden und Einkaufspreise netto anfallen, muss vor der Rechnung die Umsatzsteuer herausgerechnet werden — sonst ist das Ergebnis systematisch zu optimistisch.
Die Rechnung
Marge in Euro = VK netto − EK netto Marge in Prozent = (VK netto − EK netto) ÷ VK netto
| Größe | Wert |
|---|---|
| VK brutto | 5,90 € |
| Steuersatz | 19 % |
| VK netto | 4,96 € |
| EK netto | 3,25 € |
| Marge absolut | 1,71 € |
| Marge relativ | 34,5 % |
Der Fehler, den fast jede Excel-Datei enthält
Wird VK brutto direkt gegen EK netto gerechnet, kommen 5,90 € minus 3,25 € heraus, also 2,65 € oder 45 Prozent. Das sind 94 Cent zu viel pro Stück — die Umsatzsteuer, die dir nie gehört hat. Bei 4.000 verkauften Stück im Jahr ist die Fehleinschätzung vierstellig.
Marge oder Aufschlag
Zwei Zahlen, die verwechselt werden: Die Marge bezieht sich auf den Verkaufspreis, der Aufschlag auf den Einkaufspreis. Im Beispiel oben sind es 34,5 Prozent Marge, aber 52,6 Prozent Aufschlag. Beide sind richtig — man muss nur wissen, welche gemeint ist, wenn im Vertrieb über „30 Prozent" gesprochen wird.
Warum müssen Netto- und Bruttopreise unterschieden werden?
Weil sie aus zwei verschiedenen Welten stammen. Der Einkauf rechnet netto, weil die Vorsteuer durchläuft. Der Verkauf an Endkunden zeigt brutto, weil der Kunde den Endpreis sieht. Jede Margenrechnung muss beide auf dieselbe Basis bringen — und dafür braucht sie den Steuersatz des Artikels.
Warum der Steuersatz mitgeführt gehört
Bei einem gemischten Sortiment mit sieben und neunzehn Prozent führt ein pauschal angenommener Satz zu falschen Ergebnissen. Ein Artikel mit 7 Prozent hat bei 5,90 € brutto einen Nettopreis von 5,51 € — gegenüber 4,96 € bei 19 Prozent. Das sind 55 Cent Unterschied in der Marge, allein durch den Steuersatz.
| Steuersatz | VK brutto | VK netto | EK netto | Marge |
|---|---|---|---|---|
| 19 % | 5,90 € | 4,96 € | 3,25 € | 34,5 % |
| 7 % | 5,90 € | 5,51 € | 3,25 € | 41,0 % |
Deshalb gehören EK netto, VK brutto und Steuersatz nebeneinander in dieselbe Ansicht — die Marge ergibt sich dann von selbst und muss nicht im Kopf korrigiert werden.
Wie werden Einkaufspreisänderungen erkannt?
Beim Wareneingang, durch den Vergleich zwischen dem Einkaufspreis auf dem Lieferantenbeleg und dem im System gespeicherten. Weicht der Beleg-EK ab, wird die Position hervorgehoben — im Moment der Lieferung und nicht erst, wenn die Marge am Quartalsende nicht mehr stimmt.
Der stille Margenverlust
Eine Preiserhöhung um drei Prozent klingt harmlos. Bei einem Artikel mit 34,5 Prozent Marge sieht die Rechnung so aus:
| Vorher | Nach 3 % EK-Erhöhung | |
|---|---|---|
| EK netto | 3,25 € | 3,35 € |
| VK netto | 4,96 € | 4,96 € |
| Marge absolut | 1,71 € | 1,61 € |
| Marge relativ | 34,5 % | 32,5 % |
Zehn Cent je Stück, sechs Prozent des Deckungsbeitrags — bei einem Artikel. Über ein Sortiment hinweg und über ein Jahr ist das der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Ergebnis.
Was du bei einer Abweichung tust
- Übernehmen — der neue EK wird gespeichert, Marge und Lagerwert aktualisieren sich
- Ablehnen — bei einmaligen Sonderkonditionen oder einem Rechnungsfehler
- Nachfragen — Anlass für ein Gespräch mit dem Lieferanten
- VK anpassen — wenn die Erhöhung dauerhaft ist und die Marge halten soll
Wie der Abgleich im Wareneingang abläuft, steht im Ratgeber zum Wareneingang.
Kann für viele Produkte gleichzeitig ein neuer EK gesetzt werden?
Ja, über eine Mehrfachbearbeitung. Lieferant, Einkaufspreis, Verkaufspreis und Steuersatz lassen sich für mehrere Produkte in einem Vorgang ändern. In Verbindung mit einem Filter — etwa nach Hersteller — wird daraus die praktikable Antwort auf eine allgemeine Preiserhöhung.
Der typische Anlass
Ein Hersteller kündigt eine Preisanpassung über sein gesamtes Sortiment an. Betroffen sind 180 Artikel. Einzeln bearbeitet sind das ein Nachmittag und mindestens drei Tippfehler. Über Filter und Mehrfachbearbeitung sind es zwei Minuten.
| Schritt | Vorgehen |
|---|---|
| Filtern | Nach Hersteller oder Lieferant eingrenzen |
| Auswählen | Betroffene Artikel markieren |
| Ändern | Neuen EK, VK oder Steuersatz setzen |
| Prüfen | Marge über die veränderten Artikel kontrollieren |
Wo Vorsicht angebracht ist
Eine Massenänderung wirkt sofort auf Marge und Lagerbewertung. Vor einer Änderung über hunderte Artikel lohnt der Blick auf eine Handvoll Beispiele — insbesondere bei gemischten Steuersätzen oder unterschiedlichen Gebindegrößen innerhalb derselben Auswahl.
Wie funktioniert eine Margenwarnung?
Sie macht sichtbar, wo die Marge unter eine definierte Schwelle fällt. Nützlich ist das vor allem nach Einkaufspreisänderungen: Statt jeden Artikel einzeln zu prüfen, erscheint eine Liste der Artikel, bei denen die Kalkulation nicht mehr aufgeht.
Die typischen Auslöser
| Ursache | Typisches Muster |
|---|---|
| Einkaufspreis gestiegen | Marge sinkt bei unverändertem VK |
| Verkaufspreis gesenkt | Aktion, die zu tief angesetzt wurde |
| Falscher Steuersatz | Marge wirkt zu hoch oder zu niedrig |
| Gebindegröße falsch | Marge völlig unplausibel |
| Fehlender EK | Marge erscheint als 100 Prozent |
Die letzten beiden Zeilen sind Datenfehler, keine wirtschaftlichen Probleme — und genau deshalb ist die Warnung auch ein Werkzeug zur Datenpflege. Ein Artikel mit 100 Prozent Marge hat keinen Einkaufspreis hinterlegt.
Was sich daraus ableiten lässt
Eine Margenübersicht über das Sortiment zeigt schnell, wo Kalkulation und Realität auseinanderlaufen. Häufig konzentriert sich das Problem auf wenige Warengruppen — etwa dort, wo die Verkaufspreise am Wettbewerb ausgerichtet sind, die Einkaufspreise aber nicht mitgehalten haben.
Wie setzt die Ertragswerke Warenwirtschaft Preise und Marge um?
Sie zeigt EK netto, VK brutto, Steuersatz und die daraus errechnete Marge in einer Ansicht. Produkte lassen sich filtern, etwa nach Hersteller, und in Mehrfachbearbeitung anpassen — Lieferant, Einkaufspreis, Verkaufspreis und Steuersatz. Beim Wareneingang wird ein abweichender Beleg-EK gegenüber dem gespeicherten Shop-EK sichtbar gemacht.
Was zusammenspielt
| Baustein | Beitrag |
|---|---|
| EK am Artikel | Grundlage für Marge und Lagerwert |
| EK je Lieferant | Bezugsquellenvergleich und Bestellung |
| Gebindegröße | Umrechnung auf den Stück-EK |
| Steuersatz | Korrekte Netto-Basis für die Marge |
| Belegabgleich beim Eingang | Erkennt Preiserhöhungen sofort |
| Mehrfachbearbeitung | Massenpflege nach Filter |
Die Verbindung zum Lagerwert
Der Einkaufspreis ist nicht nur eine Margengröße. Er ist die Bewertungsbasis für den gesamten Lagerbestand — bei 3.000 Artikeln entscheidet die Qualität dieser Daten darüber, ob dein ausgewiesener Lagerwert stimmt. Wie daraus ein Stichtagswert entsteht, zeigen die Ratgeber zur Lagerbewertung und zur Inventur.
Wo die Grenzen liegen
Die Warenwirtschaft zeigt Einkaufspreis, Verkaufspreis und Marge und macht Abweichungen sichtbar. Sie betreibt keine Preisoptimierung, kein Repricing gegen Wettbewerberpreise und keine automatische Anpassung von Verkaufspreisen bei EK-Änderungen. Die Entscheidung über den VK bleibt bei dir.
Kompatibilität
Die Ertragswerke Warenwirtschaft ist mit Shopware 6.6 und 6.7 kompatibel. Verkaufspreise bleiben reguläre Shopware-Preise; ergänzt werden Einkaufspreis, Gebinde und die daraus abgeleiteten Kennzahlen.
Häufige Fragen
Sieht der Kunde den Einkaufspreis?
Nein. EK und Marge sind reine Backend-Informationen und erscheinen nirgends in der Storefront.
Was passiert bei Artikeln ohne Einkaufspreis?
Die Marge lässt sich nicht berechnen und der Artikel fließt mit null in den Lagerwert ein. Solche Artikel sollten priorisiert nachgepflegt werden.
Wird der Verkaufspreis automatisch angepasst, wenn der EK steigt?
Nein. Die Warenwirtschaft zeigt die veränderte Marge — die Preisentscheidung bleibt bei dir.
Kann ich unterschiedliche EK je Lieferant führen?
Ja. Jede Bezugsquelle hat einen eigenen Einkaufspreis und eine eigene Gebindegröße.
Wie wird der EK bei mehreren Lieferungen zu unterschiedlichen Preisen behandelt?
Für die Bewertung entscheidet die gewählte Methode — AVCO, FIFO oder LIFO. Details im Ratgeber zur Lagerbewertung.
Berücksichtigt die Marge Versand- und Nebenkosten?
Sie rechnet mit Einkaufs- und Verkaufspreis. Eine Verteilung von Fracht- oder Handlingkosten auf den Stück-EK ist nicht Bestandteil der aktuellen Version.
Kann ich nach Marge filtern oder sortieren?
Die Übersicht zeigt die Marge je Artikel und lässt sich eingrenzen — praktisch vor allem nach einer Preisrunde eines Lieferanten.
Einkaufspreis und Marge hängen an Lieferantendaten, entstehen im Wareneingang und wirken bis in die Lagerbewertung. Wie das zusammenläuft, zeigt die Shopware Warenwirtschaft.