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Shopware Warenwirtschaft

Shopware Lagerbewertung: AVCO, FIFO und LIFO im Vergleich

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Du hast 60 Stück eines Artikels im Lager. Eingekauft hast du sie in drei Lieferungen zu 3,00 €, 3,40 € und 3,80 €. Was ist der Bestand wert?

Die Antwort lautet: zwischen 189 € und 219 €, je nach Methode. Beide Zahlen sind korrekt, beide beschreiben denselben physischen Bestand. Der Unterschied liegt allein darin, welche Einkaufspreise du der noch vorhandenen Menge zuordnest. Dieser Artikel rechnet die drei gängigen Verfahren an einem Beispiel durch.

Die Ertragswerke Warenwirtschaft unterstützt AVCO, FIFO und LIFO und speichert den daraus berechneten Warenwert als Stichtags-Snapshot. Welche Methode für dich passt, ist keine Softwarefrage — sie gehört mit deiner Steuerberatung besprochen. Was die Software leisten muss, ist die konsistente Anwendung.

Wie wird ein Lagerbestand bewertet?

Indem der vorhandenen Menge Einkaufspreise zugeordnet werden. Solange alle Zugänge denselben Preis hatten, ist das trivial. Sobald die Einkaufspreise über die Zeit schwanken — und das tun sie — braucht es eine Regel, welche Preise für die noch vorhandene Ware gelten. Genau das leisten die Bewertungsmethoden.

Warum überhaupt eine Regel nötig ist

Physisch lässt sich nicht unterscheiden, welche der 60 Flaschen aus der Märzlieferung stammt und welche aus der Junilieferung. Sie stehen im selben Regal. Die Zuordnung ist deshalb eine rechnerische Annahme, keine Beobachtung.

Zugang Menge EK Wert
12.03. 40 3,00 € 120,00 €
04.05. 50 3,40 € 170,00 €
21.06. 30 3,80 € 114,00 €
Summe Zugänge 120 404,00 €
Verkauft 60 ?
Bestand 60 ?

Die beiden Fragezeichen sind das Thema dieses Artikels.

Die Voraussetzung: erfasste Einkaufspreise

Keine Methode funktioniert ohne Datenbasis. Der Einkaufspreis muss beim Wareneingang je Lieferung erfasst werden — nur dann existieren überhaupt die drei Zeilen aus der Tabelle oben.


Was ist die AVCO-Methode?

AVCO steht für Average Cost und arbeitet mit einem gleitenden Durchschnittspreis. Bei jedem Zugang wird der Durchschnitt aus altem Bestandswert und neuem Zugang neu berechnet. Abgänge erfolgen zu diesem Durchschnitt — es gibt keine Unterscheidung nach Lieferungen.

Die Rechnung

Neuer Durchschnitt = (bisheriger Wert + Zugangswert) ÷ (bisherige Menge + Zugangsmenge)

Schritt Menge Wert Durchschnitt
Zugang 40 zu 3,00 € 40 120,00 € 3,00 €
Zugang 50 zu 3,40 € 90 290,00 € 3,22 €
Zugang 30 zu 3,80 € 120 404,00 € 3,37 €
Abgang 60 zu 3,37 € 60 202,00 € 3,37 €

Bestandswert nach AVCO: 202,00 €

Die Eigenschaften

AVCO glättet Preisschwankungen. Ein einzelner teurer Einkauf schlägt nicht voll durch, ein günstiger auch nicht. Die Methode ist rechnerisch einfach nachzuvollziehen und braucht keine Zuordnung einzelner Lieferungen zu einzelnen Abgängen.

Der Nachteil ist dieselbe Eigenschaft: Bei stark steigenden Einkaufspreisen liegt der Durchschnitt dauerhaft unter dem aktuellen Wiederbeschaffungspreis. Der ausgewiesene Lagerwert ist dann niedriger, als eine Neubeschaffung kosten würde.


Wie funktioniert FIFO?

FIFO steht für First In, First Out: Die zuerst eingegangene Ware gilt als zuerst verbraucht. Der Bestand wird folglich mit den Preisen der jüngsten Zugänge bewertet, weil die ältesten rechnerisch bereits abgeflossen sind.

Die Rechnung am Beispiel

Verbraucht werden 60 Stück, beginnend bei der ältesten Lieferung:

Verbrauch aus Menge EK
Zugang 12.03. 40 3,00 €
Zugang 04.05. 20 3,40 €

Übrig bleiben:

Bestand aus Menge EK Wert
Zugang 04.05. 30 3,40 € 102,00 €
Zugang 21.06. 30 3,80 € 114,00 €
Summe 60 216,00 €

Bestandswert nach FIFO: 216,00 €

Die Eigenschaften

FIFO bildet den physischen Warenfluss bei verderblicher Ware am besten ab — dort wird tatsächlich die älteste Ware zuerst verbraucht. Bei steigenden Einkaufspreisen führt FIFO zum höchsten Lagerwert, weil die teuersten Zugänge im Bestand verbleiben.

FIFO ist nicht FEFO

Ein häufiger Kurzschluss: FIFO ordnet nach Eingangsdatum, FEFO nach Haltbarkeitsdatum. Bei Ware mit unterschiedlichen Restlaufzeiten sind das verschiedene Reihenfolgen. FIFO ist eine Bewertungsregel, FEFO eine Verbrauchsregel — Details im Ratgeber zu MHD und Chargen.


Wie funktioniert LIFO?

LIFO steht für Last In, First Out: Die zuletzt eingegangene Ware gilt als zuerst verbraucht. Der Bestand wird entsprechend mit den Preisen der ältesten Zugänge bewertet. Bei steigenden Einkaufspreisen ergibt sich damit der niedrigste Lagerwert der drei Methoden.

Die Rechnung am Beispiel

Verbraucht werden 60 Stück, beginnend bei der jüngsten Lieferung:

Verbrauch aus Menge EK
Zugang 21.06. 30 3,80 €
Zugang 04.05. 30 3,40 €

Übrig bleiben:

Bestand aus Menge EK Wert
Zugang 04.05. 20 3,40 € 68,00 €
Zugang 12.03. 40 3,00 € 120,00 €
Summe 60 188,00 €

Bestandswert nach LIFO: 188,00 €

Die Eigenschaften

LIFO bildet den physischen Warenfluss in den seltensten Fällen ab — kaum jemand verkauft bewusst zuerst die neueste Ware. Es handelt sich um eine rein rechnerische Annahme, deren Zulässigkeit und Sinnhaftigkeit von der steuerlichen Gestaltung abhängt.


Die drei Methoden an einem Zahlenbeispiel

Derselbe Bestand von 60 Stück, drei Bewertungen:

Methode Bestandswert Differenz zu LIFO
LIFO 188,00 €
AVCO 202,00 € +14,00 €
FIFO 216,00 € +28,00 €

Was diese Spanne bedeutet

Bei einem einzelnen Artikel sind 28 € unerheblich. Hochgerechnet auf ein Sortiment mit 3.000 Positionen und einem Lagerwert im sechsstelligen Bereich wird daraus ein Unterschied, der in der Bilanz sichtbar ist — bei völlig identischem physischem Bestand.

Die Reihenfolge kehrt sich um

Wichtig zum Verständnis: Diese Rangfolge gilt bei steigenden Einkaufspreisen. Fallen die Preise, dreht sich das Bild — dann liefert LIFO den höchsten und FIFO den niedrigsten Wert. Die Methode ist keine Entscheidung für „hoch" oder „niedrig", sondern für eine Annahme über den Warenfluss.


Welche Methode eignet sich für welchen Händler?

Es gibt keine allgemein richtige Antwort — die Wahl hängt von Sortiment, steuerlicher Gestaltung und Berichtsanforderungen ab. Als Orientierung: FIFO passt zu verderblicher und datierter Ware, AVCO zu gleichartigen Artikeln mit schwankenden Einkaufspreisen, LIFO ist eine Frage der steuerlichen Betrachtung.

Situation Naheliegende Methode
Lebensmittel, Kosmetik, datierte Ware FIFO — entspricht dem realen Fluss
Schüttgut, gleichartige Massenware AVCO — einfach und stabil
Stark schwankende Einkaufspreise AVCO — glättet Ausschläge
Langlebige, nicht datierte Ware Alle drei denkbar
Steuerliche Gestaltungsabsicht Gehört ins Gespräch mit der Beratung

Die praktische Perspektive

Für die meisten Shopware-Händler ist AVCO der pragmatische Einstieg: nachvollziehbar, stabil und ohne Zuordnung einzelner Lieferungen zu einzelnen Abgängen. Wer verderbliche Ware führt und ohnehin chargengeführt arbeitet, ist mit FIFO näher an der Realität.

Dieser Abschnitt ist eine fachliche Orientierung und ersetzt keine steuerliche Beratung. Die Wahl der Bewertungsmethode und ihre Zulässigkeit für deinen Fall gehören mit deiner Steuerberatung abgestimmt.


Warum muss die Bewertungsmethode konsistent bleiben?

Weil ein Methodenwechsel den Lagerwert verändert, ohne dass sich am Bestand etwas ändert. Ein Vergleich zwischen zwei Geschäftsjahren wird damit unbrauchbar, und die Abweichung ist erklärungsbedürftig. Die Methode gehört einmal festgelegt und danach beibehalten.

Was ein Wechsel anrichtet

Jahr Methode Lagerwert Interpretation
Jahr 1 LIFO 188.000 €
Jahr 2 FIFO 216.000 € Scheinbar 15 % Bestandsaufbau

Der Bestand kann in diesem Beispiel unverändert sein. Die gesamte Differenz stammt aus der Methode. Wer so etwas erklären muss, hat einen unangenehmen Termin vor sich.

Konsistenz betrifft auch die Datenqualität

Eine Methode ist nur so gut wie die Einkaufspreise, mit denen sie rechnet. Artikel ohne hinterlegten EK fließen mit null ein und drücken den Lagerwert — unabhängig davon, welche Methode gewählt ist. Wie sich Einkaufspreise sauber pflegen lassen, steht im Ratgeber zu Einkaufspreisen und Marge.


Wie berechnet die Ertragswerke Warenwirtschaft den Lagerwert?

Nach der gewählten Methode — AVCO, FIFO oder LIFO — auf Basis des physischen Bestands und der beim Wareneingang erfassten Einkaufspreise. Das Ergebnis lässt sich als Warenwert-Snapshot festhalten, sodass ein Stichtagswert dokumentiert ist und die Entwicklung über die Zeit nachvollziehbar bleibt.

Was in die Berechnung einfließt

Größe Herkunft
Physischer Bestand Alle Lager, auch gesperrte
Einkaufspreise je Zugang Wareneingang und Bewegungsprotokoll
Bewegungen Zugänge, Abgänge, Umlagerungen, Abschreibungen
Bewertungsmethode Einstellung

Der erste Punkt ist wichtig: Auch Ware im Sperrlager gehört dir und zählt in den Lagerwert. Details bei Retouren und Sperrlager.

Die Verbindung zum Stichtag

Die Bewertungsmethode beantwortet die Frage „wie wird gerechnet". Der Snapshot beantwortet die Frage „für wann". Beide gehören zusammen, sind aber verschiedene Dinge — die praktische Seite der Stichtagsdokumentation behandelt der Ratgeber zur Inventur und Warenwertdokumentation.

Wo die Grenzen liegen

Die Warenwirtschaft rechnet und dokumentiert. Sie erstellt keine Bilanz, keine Steuererklärung und gibt keine Empfehlung zur Methodenwahl. Eine Verteilung von Fracht- und Handlingkosten auf den Stück-Einkaufspreis ist nicht Bestandteil der aktuellen Version — bewertet wird mit dem erfassten Einkaufspreis.

Kompatibilität

Die Ertragswerke Warenwirtschaft ist mit Shopware 6.6 und 6.7 kompatibel. Die Bewertung greift auf dieselbe Datenbasis zu wie Bestand und Wareneingang.


Häufige Fragen

Welche Methode ist steuerlich zulässig?

Das hängt von deinem Fall ab und gehört mit deiner Steuerberatung geklärt. Die Software unterstützt alle drei Verfahren, trifft die Wahl aber nicht für dich.

Kann ich die Methode je Warengruppe unterschiedlich wählen?

Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit ist eine einheitliche Methode der sauberere Weg. Abweichungen erhöhen den Erklärungsbedarf erheblich.

Was passiert bei Artikeln ohne Einkaufspreis?

Sie fließen mit null ein und verzerren das Ergebnis. Diese Artikel sollten priorisiert nachgepflegt werden.

Zählt reservierte Ware in den Lagerwert?

Ja. Sie liegt im Lager und gehört bis zum Versand dir.

Wie wirken sich Abschreibungen aus?

Sie reduzieren Bestand und Lagerwert und bleiben mit Grund und Einkaufspreis im Bewegungsprotokoll dokumentiert.

Was ist mit dem niedrigeren Wiederbeschaffungswert?

Sinkt der Marktwert unter den Buchwert, kann eine Abwertung geboten sein. Ob und wann das für dich gilt, ist eine steuerliche Frage.

Ist FIFO dasselbe wie FEFO?

Nein. FIFO ordnet nach Eingangsdatum, FEFO nach Haltbarkeitsdatum. Bei unterschiedlichen Restlaufzeiten führen beide zu verschiedenen Reihenfolgen.


Die Bewertungsmethode entscheidet, mit welchen Preisen dein Bestand gerechnet wird — die Datengrundlage entsteht im Wareneingang und wird über die Inventur zum Stichtag festgehalten. Wie das zusammenläuft, zeigt die Shopware Warenwirtschaft.