Shopware reservierter Bestand: Offene Bestellungen nachvollziehen
Im Regal liegen 100 Stück, der Shop zeigt 70. Die Differenz sind Bestellungen, die noch nicht rausgegangen sind — 30 Stück, die physisch da sind und trotzdem niemandem mehr zur Verfügung stehen.
Solange die Zahl stimmt, stört das niemanden. Interessant wird es bei der Rückfrage: Ein Großkunde will 40 Stück, und du musst entscheiden, ob du zusagen kannst. Dafür brauchst du mehr als „30 reserviert" — du brauchst die Antwort auf die Frage, wer reserviert hat, seit wann und ob diese Bestellungen überhaupt aus dem Regal oder aus einer erwarteten Lieferung bedient werden.
Die Ertragswerke Warenwirtschaft löst die Reservierung deshalb auf: Ein Klick auf den Artikel zeigt Kunde, Bestellnummer, Menge, Bestelldatum und gegebenenfalls Wunschtermin. Das verwandelt eine abstrakte Zahl in eine Entscheidungsgrundlage.
Was ist reservierter Bestand in Shopware?
Reservierter Bestand ist die Menge, die durch offene, noch nicht versandte Bestellungen gebunden ist. Sie liegt physisch im Lager, gehört aber bereits einem Kunden. Der Wert wird nicht manuell gepflegt, sondern aus dem aktuellen Bestellbestand rekonstruiert — er ändert sich mit jeder eingehenden Bestellung und jedem Versand.
Ein rekonstruierter, kein gepflegter Wert
Das ist der wichtigste Punkt zum Verständnis. Es gibt keine Tabelle, in der jemand Reservierungen einträgt. Das System schaut sich an, welche Bestellungen offen sind, welche Positionen darin stehen und welche Mengen daraus resultieren. Daraus ergibt sich die Reservierung.
Der Vorteil: Sie kann nicht veralten. Wird eine Bestellung storniert, verschwindet die Reservierung ohne Zutun. Wird versandt, ebenfalls.
Was reservierter Bestand nicht ist
Er ist keine Warenkorbreservierung. Ein Kunde, der etwas in den Warenkorb legt, bindet keinen Bestand — sonst wäre bei jeder Marketingaktion binnen Minuten alles ausverkauft, ohne dass ein einziger Auftrag entstanden wäre.
Warum unterscheidet sich reserviert von verfügbar?
Weil beide unterschiedliche Fragen beantworten. Reserviert ist die Menge, die schon vergeben ist. Verfügbar ist die Menge, die noch verkauft werden darf. Zusammen mit dem physischen Bestand bilden sie ein Dreieck, in dem sich jeder Wert aus den beiden anderen ergibt.
Die Beziehung der drei Werte
Physisch = verfügbar + reserviert Verfügbar = physisch − reserviert Reserviert = physisch − verfügbar
| Wert | Menge | Wer fragt danach |
|---|---|---|
| Physisch | 100 | Lager, Inventur, Bewertung |
| Reserviert | 30 | Versand, Kundenservice |
| Verfügbar | 70 | Shop, Verkauf, Einkauf |
Der klassische Konflikt
Das Lager meldet einen Bestandsfehler, weil im Regal 100 liegen und das System 70 anzeigt. Der Verkauf meldet einen Bestandsfehler, weil er 100 sieht und 100 verkaufen will. Beide haben recht und beide schauen auf den falschen Wert. Sobald alle drei Zahlen nebeneinander stehen, verschwindet der Konflikt.
Wie sich die Werte insgesamt zusammensetzen, erklärt der Ratgeber zum Warenbestand.
Wie wird der physische Regalbestand berechnet?
Als Summe aus verfügbarem und reserviertem Bestand. Da Shopware nur die verkäufliche Menge führt, muss die Reservierung wieder hinzugerechnet werden, um auf den tatsächlichen Regalinhalt zu kommen. Genau dieser Wert wird bei Inventur, Lagerbewertung und jeder Zählung gebraucht.
Warum das für die Inventur entscheidend ist
Eine Zählung vergleicht den gezählten Regalinhalt mit dem Systemwert. Wird gegen die verfügbare Menge geprüft, findet man bei jedem Artikel mit offenen Bestellungen eine Abweichung — die keine ist. Bei 40 Artikeln mit Reservierungen entstehen 40 Scheindifferenzen, denen jemand nachgeht.
| Prüfung gegen | Ergebnis bei 100 im Regal, 30 reserviert |
|---|---|
| Verfügbar (70) | Scheindifferenz von 30 |
| Physisch (100) | Keine Differenz — korrekt |
Der Zusammenhang mit der Bewertung
Auch der Lagerwert bezieht sich auf den physischen Bestand. Ware, die reserviert ist, gehört bis zum Versand weiterhin dir und steht in deinem Bestand. Details dazu im Ratgeber zur Lagerbewertung.
Welche Bestellungen reservieren einen Artikel?
Alle offenen Bestellungen, die noch nicht versandt sind. Das schließt bezahlte wie unbezahlte ein, sofern sie verbindlich sind. Nicht reservierend wirken gefüllte Warenkörbe, stornierte Bestellungen und bereits versandte Aufträge — bei Letzteren ist die Ware physisch nicht mehr da.
Die Zustände im Überblick
| Zustand der Bestellung | Reserviert? | Physischer Bestand |
|---|---|---|
| Warenkorb ohne Bestellung | Nein | Unverändert |
| Bestellung eingegangen | Ja | Unverändert |
| In Kommissionierung | Ja | Unverändert |
| Versandt | Nein | Reduziert |
| Storniert | Nein | Unverändert |
| Retoure eingegangen | Nein | Erhöht im Sperrlager |
Der Moment des Versands
Beim Versand passieren zwei Dinge gleichzeitig: Der physische Bestand sinkt und die Reservierung entfällt. Der verfügbare Bestand bleibt unverändert — die Ware war ohnehin schon vergeben. Das ist der Grund, warum ein Versandtag den Shop-Bestand nicht verändert, obwohl das Lager leerer wird.
Sonderfall unbezahlte Bestellungen
Ob eine unbezahlte Vorkassebestellung Bestand binden soll, ist eine Geschäftsentscheidung. Bindet sie, blockiert ein Kunde, der nie zahlt, Ware. Bindet sie nicht, kann dieselbe Ware zweimal verkauft werden. In der Praxis bewährt sich die Bindung mit einer zeitlichen Grenze — nach der die unbezahlte Bestellung storniert wird.
Kann eine Reservierung einem Kunden zugeordnet werden?
Ja, und darin liegt der eigentliche Nutzen. Ein Klick auf den Artikel öffnet die Detailansicht mit den Bestellungen, die dahinterstehen: Kunde, Bestellnummer, Menge, Bestelldatum und — sofern erfasst — der gewünschte Liefertermin. Aus einer Summe wird damit eine Liste, mit der sich arbeiten lässt.
Was die Detailansicht ermöglicht
| Situation | Was du damit machst |
|---|---|
| Großkunde fragt nach 40 Stück | Prüfen, ob eine Reservierung mit spätem Wunschtermin verschiebbar ist |
| Bestand stimmt nicht | Nachvollziehen, welche Bestellungen die Differenz erklären |
| Artikel wird knapp | Sehen, wer wartet, und gezielt informieren |
| Alte Bestellung hängt | Erkennen, dass eine Bestellung seit sechs Wochen Ware bindet |
| Teillieferung geplant | Entscheiden, wer zuerst beliefert wird |
Der vierte Punkt kommt häufiger vor, als man denkt: eine unbezahlte oder aus anderen Gründen liegengebliebene Bestellung, die seit Wochen Ware bindet, die niemand vermisst — bis der Artikel knapp wird.
Warum die Zahl allein zu wenig ist
„30 reserviert" beantwortet keine einzige praktische Frage. Sind das dreißig Einzelbestellungen von gestern oder eine Bestellung von vor sechs Wochen mit Wunschtermin im nächsten Quartal? Im ersten Fall ist die Ware weg, im zweiten hast du Spielraum. Ohne Detailansicht rufst du in der Buchhaltung an.
Wird eine Bestellung aus Bestand oder Zulauf gedeckt?
Diese Unterscheidung sollte sichtbar sein. Eine Bestellung, die aus vorhandenem Bestand gedeckt ist, kann sofort raus. Eine Bestellung, die auf einen erwarteten Zulauf wartet, kann es nicht — und der Unterschied entscheidet über jede Terminaussage gegenüber dem Kunden.
Warum das im Kundenservice zählt
Ein Kunde fragt nach dem Stand seiner Bestellung. Ohne diese Information lautet die Antwort „wird bearbeitet". Mit ihr lautet sie entweder „geht morgen raus" oder „die Lieferung wird am 14. erwartet, danach geht es sofort raus". Die zweite Antwort führt selten zu einem zweiten Anruf.
| Deckungsquelle | Bedeutung | Auskunft an den Kunden |
|---|---|---|
| Physischer Bestand | Ware liegt bereit | Versand in Kürze |
| Geplanter Zulauf | Wartet auf Lieferung | Termin nennbar |
| Teilweise gedeckt | Teilmenge sofort möglich | Teillieferung anbieten |
Der Zusammenhang mit Vorbestellungen
Bestellungen aus dem Zulauf entstehen typischerweise als Vorbestellung — der Kunde hat bewusst gekauft, obwohl der Artikel nicht am Lager war. Diese Mengen binden den freien Zulauf statt den physischen Bestand. Wie das funktioniert, zeigt der Ratgeber zur Vorbestellung aus geplantem Zulauf.
Wie stellt die Ertragswerke Warenwirtschaft Reservierungen dar?
Als eigene Übersicht, in der sich jede Reservierung bis auf die zugrundeliegenden Bestellungen auflösen lässt. Die Detailansicht zeigt Kunde, Bestellnummer, Menge, Bestelldatum und gegebenenfalls den Wunschtermin. Zusätzlich wird sichtbar, ob eine Bestellung aus dem physischen Bestand oder aus einem geplanten Zulauf gedeckt wird.
Was die Übersicht liefert
| Element | Nutzen im Alltag |
|---|---|
| Reservierte Menge je Artikel | Erklärt die Differenz zwischen physisch und verfügbar |
| Bestellzuordnung | Zeigt, welche Aufträge dahinterstehen |
| Kunde und Bestellnummer | Direkter Einstieg in den Vorgang |
| Bestelldatum | Erkennt liegengebliebene Bestellungen |
| Wunschtermin | Grundlage für Priorisierung bei Knappheit |
| Deckungsquelle | Bestand oder Zulauf, mit Terminaussage |
Was daraus im Backend entsteht
Die reservierte Menge erscheint zusammen mit den übrigen Bestandswerten in der nativen Shopware-Produktliste. Damit sieht jeder, der ohnehin im Produktbereich arbeitet, die vollständige Lage — statt einer einzelnen Zahl, die je nach Rolle falsch interpretiert wird.
Wo die Grenzen liegen
Es handelt sich nicht um ein eigenständiges Reservierungssystem, mit dem sich Ware für Interessenten oder Warenkörbe blocken lässt. Grundlage sind verbindliche offene Bestellungen. Eine manuelle Reservierung ohne zugrundeliegenden Auftrag ist nicht vorgesehen — und das aus gutem Grund: Solche Reservierungen werden angelegt und nie wieder aufgelöst.
Kompatibilität
Die Ertragswerke Warenwirtschaft ist mit Shopware 6.6 und 6.7 kompatibel. Reservierungen werden aus dem regulären Shopware-Bestellbestand abgeleitet und benötigen keine eigene Pflege.
Häufige Fragen
Muss ich Reservierungen manuell pflegen?
Nein. Sie werden aus den offenen Bestellungen abgeleitet und aktualisieren sich mit jeder Bestellung, Stornierung und jedem Versand.
Kann ich Ware für einen Interessenten blocken?
Nicht ohne verbindliche Bestellung. Für zugesagte Mengen ist der saubere Weg eine Bestellung mit entsprechendem Liefertermin.
Binden unbezahlte Bestellungen Bestand?
Das hängt von deiner Konfiguration und deinem Bestellprozess ab. Eine zeitliche Grenze mit automatischer Stornierung verhindert, dass Ware unbegrenzt blockiert wird.
Warum zeigt Shopware eine andere Zahl als mein Regal?
Shopware führt die verkäufliche Menge. Der Regalinhalt ist diese Menge plus die Reservierungen.
Sieht der Kunde, wie viel reserviert ist?
Nein. Reservierungen sind eine interne Information. In der Storefront erscheint die verkäufliche Menge.
Was passiert bei einer Teilstornierung?
Nur die stornierte Menge wird frei, der Rest bleibt reserviert.
Wie erkenne ich Bestellungen, die seit Wochen Ware binden?
Über das Bestelldatum in der Detailansicht. Bei knappen Artikeln lohnt sich der Blick zuerst auf die ältesten Einträge.
Reservierungen sind das Bindeglied zwischen Bestellungen und Lager. Wie sie mit Warenbestand, Vorbestellungen und Bedarfsplanung zusammenwirken, zeigt die Shopware Warenwirtschaft.