Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Shopware Warenwirtschaft

Shopware Warenbestand: verfügbar, reserviert, physisch und im Zulauf

Teilen: WhatsApp Facebook X LinkedIn E-Mail

„Wie viele haben wir noch?" ist im Handel keine Frage, sondern fünf. Der Verkauf meint: Wie viele kann ich noch verkaufen? Das Lager meint: Wie viele liegen im Regal? Der Einkauf meint: Wie viele kommen noch? Und alle drei bekommen im Shopware-Backend dieselbe Zahl zu sehen.

Genau daraus entstehen die klassischen Fehler: Es wird nachbestellt, obwohl die Ware schon unterwegs ist. Es wird im Lager gesucht, was längst reserviert ist. Es wird verkauft, was einem anderen Kunden gehört. Dieser Artikel trennt die Begriffe sauber und zeigt an einer durchgerechneten Beispiellage, wie viel Ware tatsächlich noch verkauft werden kann.

Die Ertragswerke Warenwirtschaft führt diese Werte einzeln und blendet sie zusätzlich in die native Shopware-Produktliste ein. Der Nutzen liegt weniger in der Zahl selbst als darin, dass jeder Beteiligte endlich die Zahl sieht, die seine Frage beantwortet.

Was bedeutet Warenbestand in Shopware?

Shopware führt je Produkt eine Bestandszahl, die steuert, wie viel noch bestellt werden kann. Diese Zahl beschreibt die verkäufliche Menge — nicht den Inhalt des Regals. Für Lagerhaltung und Einkauf reicht sie nicht aus, weil sie weder erkennen lässt, was physisch vorhanden ist, noch was durch offene Bestellungen bereits vergeben oder beim Lieferanten unterwegs ist.

Die fünf Werte im Überblick

Wert Beantwortet die Frage
Physischer Bestand Was liegt im Lager?
Reservierter Bestand Was gehört bereits einem Kunden?
Verfügbarer Bestand Was kann ich noch verkaufen?
Geplanter Zulauf Was kommt vom Lieferanten?
Freier Zulauf Was kommt und ist noch nicht vergeben?

Jede dieser Fragen wird im Alltag gestellt, und jede von einer anderen Person. Deshalb sind es fünf Zahlen und nicht eine.


Was ist der Unterschied zwischen verfügbar und physisch?

Der physische Bestand ist die Menge, die tatsächlich im Lager liegt. Der verfügbare Bestand ist die Menge, die davon noch verkauft werden darf — also physisch minus reserviert. Zwischen beiden liegen die offenen Bestellungen, die zwar noch nicht versandt, aber bereits verbindlich vergeben sind.

Die Grundformel

Verfügbar = physisch − reserviert

Bei 100 Stück im Regal und 30 Stück in offenen Bestellungen sind 70 verfügbar. Beide Zahlen sind richtig, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.

Warum die Verwechslung teuer wird

Wer verwechselt Folge
Lager sucht nach „verfügbar" Sucht 70, findet 100, meldet Bestandsfehler
Verkauf rechnet mit „physisch" Verspricht Ware, die einem anderen Kunden gehört
Einkauf rechnet mit „physisch" Bestellt zu spät, weil der Bestand voll aussieht
Inventur zählt gegen „verfügbar" Findet eine Differenz, die keine ist

Die letzte Zeile passiert häufiger als gedacht: Wer bei der Zählung gegen die verkäufliche Menge prüft, findet in jedem Artikel mit offenen Bestellungen eine scheinbare Abweichung.


Wie wird reservierter Bestand ermittelt?

Aus den offenen, noch nicht versandten Bestellungen. Jede Position einer Bestellung, die im Lager liegt, aber noch nicht rausgegangen ist, bindet die entsprechende Menge. Der reservierte Bestand ist damit keine manuell gepflegte Zahl, sondern ein aus dem Bestellbestand rekonstruierter Wert.

Was reserviert und was nicht

  • Reserviert: bezahlte oder verbindliche Bestellungen, die noch nicht versandt sind
  • Reserviert: Bestellungen in Kommissionierung oder Verpackung
  • Nicht reserviert: gefüllte Warenkörbe ohne Bestellung
  • Nicht reserviert: stornierte Bestellungen
  • Nicht mehr reserviert: versandte Bestellungen — hier sinkt gleichzeitig der physische Bestand

Der zweite Punkt von unten ist die wichtige Abgrenzung: Ein Warenkorb ist kein Anspruch. Würde jeder Warenkorb Bestand binden, wäre bei jedem Traffic-Peak alles ausverkauft.

Wer hat reserviert?

Interessant wird die Zahl erst mit der Zuordnung. Eine Reservierung von 30 Stück sagt wenig — 30 Stück für einen Großkunden mit Wunschtermin in drei Wochen sagen viel. Welche Bestellungen konkret dahinterstehen und wie sich das nachvollziehen lässt, behandelt der Ratgeber zum reservierten Bestand.


Was bedeutet geplanter Zulauf?

Geplanter Zulauf ist Ware, die bereits beim Lieferanten bestellt, aber noch nicht eingetroffen ist — idealerweise mit erwartetem Lieferdatum. Sie zählt nicht zum Bestand, weil sie nicht im Lager liegt, ist für Planung und Vorbestellungen aber die entscheidende Größe.

Warum der Zulauf erfasst gehört

Ohne Zulauf sieht ein Artikel drei Tage vor Anlieferung aus wie ein Artikel, der nie wieder kommt. Die Folgen:

  • der Einkauf bestellt ein zweites Mal
  • der Verkauf sagt Kunden ab, obwohl Ware unterwegs ist
  • die Bedarfsplanung meldet eine Unterdeckung, die keine ist
  • Vorbestellungen sind nicht möglich, obwohl der Liefertermin feststeht

Was zum Zulauf gehört

Gehört dazu Gehört nicht dazu
Verbindliche Lieferantenbestellung Angefragtes Angebot
Bestätigte Teillieferung Vager Nachschub „irgendwann"
Ware mit erwartetem Lieferdatum Ware ohne jede Terminaussage

Der Zulauf ist nur so gut wie das Lieferdatum. Ein Zulauf ohne Termin lässt sich nicht in eine Verfügbarkeitsaussage übersetzen — und genau die brauchst du, um dem Kunden etwas zuzusagen.


Was ist freier Zulauf?

Freier Zulauf ist der Teil des geplanten Zulaufs, der noch nicht an Kunden vergeben ist. Sind 50 Stück unterwegs und davon 20 bereits vorbestellt, beträgt der freie Zulauf 30. Diese Zahl bestimmt, wie viel du aus einer erwarteten Lieferung noch verkaufen darfst, ohne dich zu überversprechen.

Die Formel

Freier Zulauf = geplanter Zulauf − bereits vorbestellte Menge

Warum das die wichtigste der fünf Zahlen ist

Der freie Zulauf ist die einzige Größe, die eine Zukunftsaussage erlaubt. Physisch, reserviert und verfügbar beschreiben den Ist-Zustand. Der freie Zulauf beantwortet die Frage, die ein Kunde tatsächlich stellt: „Kann ich das bekommen, wenn ich bis nächste Woche warte?"

Gleichzeitig ist er die Bremse gegen Überverkauf. Ein Shop, der Vorbestellungen ohne Deckelung zulässt, verkauft dieselben 50 Stück an 80 Kunden. Wird gegen den freien Zulauf gerechnet, ist bei 50 Schluss — und alle bekommen, was sie bestellt haben.


Wie viel Ware kann tatsächlich noch verkauft werden?

Sofort verkäuflich ist der verfügbare Bestand. Mit Lieferung nach Eintreffen des Zulaufs kommt der freie Zulauf hinzu. Die insgesamt noch verkaufbare Menge ist damit verfügbar plus freier Zulauf — vorausgesetzt, der Kunde akzeptiert den späteren Liefertermin.

Die vollständige Beispielrechnung

Wert Menge Herleitung
Physischer Bestand 100 Liegt im Lager
Reserviert 30 Offene Bestellungen
Verfügbar 70 100 − 30
Geplanter Zulauf 50 Beim Lieferanten bestellt
Davon vorbestellt 20 Bereits an Kunden vergeben
Freier Zulauf 30 50 − 20
Sofort verkäuflich 70 Verfügbar
Insgesamt verkäuflich 100 70 + 30

Ein Blick auf „100" im Shopware-Bestandsfeld hätte hier zufällig die richtige Gesamtmenge gezeigt — aber aus dem falschen Grund. Die 100 im Regal und die 100 verkaufbaren Stück sind zwei verschiedene Hundert.

Was das für die Storefront bedeutet

Die verkäufliche Menge kann zusätzlich vom gewünschten Lieferdatum abhängen. Ein Kunde, der heute geliefert haben will, bekommt 70 angeboten. Ein Kunde mit Wunschtermin nach der erwarteten Anlieferung bekommt 100. Wie das berechnet und im Warenkorb durchgesetzt wird, zeigt der Ratgeber zur Verfügbarkeit nach Lieferdatum.


Wie zeigt die Ertragswerke Warenwirtschaft die Bestandslage an?

Sie führt alle fünf Werte einzeln — verfügbar, reserviert, physisch, geplanter Zulauf und freier Zulauf — und ergänzt sie zusätzlich in der nativen Shopware-Produktliste. Damit steht die tatsächliche Versorgungslage dort, wo ohnehin gearbeitet wird, statt in einer separaten Ansicht.

Warum die native Produktliste der richtige Ort ist

Eine zusätzliche Bestandsansicht wird beim ersten Stress nicht mehr geöffnet. Die Produktliste dagegen ist die Seite, auf der jeder im Backend ohnehin landet. Stehen die Werte dort, entsteht die Information nebenbei — beim Pflegen eines Preises fällt auf, dass ein Artikel unterdeckt ist.

Was auf den Werten aufbaut

Funktion Nutzt
Bedarfsplanung Verfügbar und freier Zulauf
Vorbestellungen Freier Zulauf als Obergrenze
Verfügbarkeit nach Termin Physisch, freier Zulauf, Lieferdatum
Reservierungsübersicht Reserviert mit Bestellzuordnung
Lagerbewertung Physisch und Einkaufspreis

Diese Abhängigkeit ist der eigentliche Grund, warum die Begriffe sauber getrennt gehören. Jede Ungenauigkeit an dieser Stelle pflanzt sich in jede Auswertung fort, die darauf aufsetzt.

Wie die Werte in den Shopware-Bestand zurückwirken

Bestandsänderungen werden als Delta zurückgeschrieben, statt den Shopware-Bestand bei jeder Aktion vollständig zu überschreiben. Das verhindert das Fehlerbild, bei dem bereits verkaufte Ware durch eine spätere Neuberechnung wieder im Bestand erscheint.

Kompatibilität

Die Ertragswerke Warenwirtschaft ist mit Shopware 6.6 und 6.7 kompatibel. Die zusätzlichen Bestandswerte sind Backend-Informationen; in der Storefront erscheint die verkäufliche Menge.


Häufige Fragen

Sieht der Kunde den physischen Bestand?

Nein. Physischer Bestand, Reservierungen und Zulauf sind interne Werte. In der Storefront wird die verkäufliche Menge angezeigt.

Zählt ein gefüllter Warenkorb als Reservierung?

Nein. Erst eine verbindliche Bestellung bindet Bestand. Sonst wäre bei jedem Traffic-Peak alles ausverkauft.

Was passiert beim Versand einer Bestellung?

Physischer Bestand und reservierte Menge sinken gleichzeitig. Der verfügbare Bestand bleibt unverändert, weil die Ware ohnehin schon vergeben war.

Wie wirkt sich eine Stornierung aus?

Die Reservierung entfällt, der verfügbare Bestand steigt entsprechend. Der physische Bestand bleibt unberührt.

Werden Varianten getrennt geführt?

Ja. Jede Variante hat eigene Werte für Bestand, Reservierung und Zulauf.

Was ist mit Ware im Sperrlager?

Sie ist physisch vorhanden, aber nicht verkäuflich. Lager lassen sich einzeln als verkäuflich oder gesperrt kennzeichnen — Details bei Retouren und Sperrlager.

Kann der Zulauf ohne Lieferdatum erfasst werden?

Technisch ja, sinnvoll kaum. Ohne Termin lässt sich der Zulauf nicht in eine Lieferzusage übersetzen und ist für die Planung wertlos.


Die fünf Bestandswerte sind das Fundament, auf dem Bedarfsplanung, Vorbestellungen und Lagerbewertung aufsetzen. Wie sie zusammen mit Wareneingang und Lieferantenverwaltung einen geschlossenen Kreislauf bilden, zeigt die Shopware Warenwirtschaft.