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Shopware Warenwirtschaft

Shopware Retouren buchen: Rückläufer im Sperrlager prüfen

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Ein Paket kommt zurück. Der übliche Reflex: Bestand um eins erhöhen, Karton ins Regal, fertig. Zwei Wochen später beschwert sich der nächste Kunde über eine aufgerissene Verpackung — und niemand kann sagen, wie sie dorthin gekommen ist.

Das Problem ist nicht der Rückläufer, sondern der fehlende Zwischenschritt. Retournierte Ware ist erst dann wieder verkäuflich, wenn jemand sie angesehen hat. Bis dahin gehört sie in einen Zustand, der sie physisch erfasst, aber vom Verkauf ausnimmt. Dieser Artikel zeigt, wie das lagerwirtschaftlich funktioniert.

Die Ertragswerke Warenwirtschaft bucht Rückläufer in ein nicht verkäufliches Sperrlager. Nach der Prüfung entscheidest du: zurück ins Hauptlager oder abschreiben. Wichtig zur Einordnung — es geht um den Teil nach der Rückkehr der Ware, nicht um den Kundenprozess davor.

Wie werden Retouren in Shopware gelagert?

Im Standard gar nicht getrennt — Shopware kennt nur eine Bestandszahl, in die eine Rückbuchung direkt einfließt. Eine saubere Lösung führt Rückläufer zunächst in einen eigenen, nicht verkäuflichen Lagerbereich. Erst nach der Prüfung entscheidet sich, ob die Ware zurück in den Verkauf geht oder abgeschrieben wird.

Die drei Zustände einer Retoure

Zustand Ort Verkäuflich
Angekommen, ungeprüft Sperrlager Nein
Geprüft, einwandfrei Hauptlager Ja
Geprüft, defekt Abgeschrieben Entfällt

Der mittlere Zustand ist der, der ohne Sperrlager übersprungen wird — mit dem Ergebnis, dass der erste und der dritte zusammenfallen und ungeprüfte Ware sofort wieder verkauft wird.

Was die Warenwirtschaft hier abdeckt

Den lagerwirtschaftlichen Teil: Die Ware ist zurück, sie muss erfasst, geprüft und einem Zustand zugeordnet werden. Der Kundenprozess davor — Retourenanmeldung, Label, Erstattung, Kommunikation — läuft über deine bestehenden Abläufe und ist nicht Bestandteil des Plugins.


Warum sollte retournierte Ware nicht sofort verkäuflich sein?

Weil niemand weiß, in welchem Zustand sie ist. Ein Rückläufer kann ungeöffnet sein, geöffnet und benutzt, unvollständig oder beschädigt. Wird er ungeprüft in den Bestand gebucht, geht er beim nächsten Verkauf genau so wieder raus — und erzeugt eine zweite Retoure plus einen unzufriedenen Kunden.

Die Folgekosten einer ungeprüften Rückbuchung

Was passiert Kosten
Beschädigte Ware wird erneut versandt Versand hin und zurück
Kunde reklamiert Bearbeitungszeit, oft Kulanz
Zweite Retoure Erneuter Prüfaufwand
Bewertung leidet Schwer bezifferbar, wirkt lange

Ein Prüfschritt kostet zwei Minuten. Eine erneute Retoure kostet Versand, Bearbeitung und Vertrauen.

Der zweite Grund: Bestandswahrheit

Ungeprüfte Rückläufer im verkäuflichen Bestand verfälschen jede Aussage über die Versorgungslage. Der Shop meldet acht Stück verfügbar, von denen drei defekt sind. Die Bedarfsplanung rechnet mit acht und bestellt zu spät nach.


Was ist ein Sperrlager?

Ein Lager, das als nicht verkäuflich gekennzeichnet ist. Die darin liegende Ware zählt zum physischen Bestand und zum Lagerwert, fließt aber nicht in die verkäufliche Menge ein. Damit ist sie erfasst und trotzdem aus dem Verkauf genommen — ohne dass jemand pro Artikel eine Sperre setzen müsste.

Warum die Eigenschaft am Lager hängt

Die Alternative wäre, jeden betroffenen Artikel einzeln zu sperren. Das scheitert an der Rückrichtung: Nach der Prüfung müsste jemand daran denken, die Sperre wieder aufzuheben. Hängt die Eigenschaft dagegen am Lager, ergibt sie sich aus dem Ort — was drin liegt, ist gesperrt, was rausgeht, ist frei.

Sperre je Artikel Sperrlager
Beim Wareneingang Muss gesetzt werden Ergibt sich aus dem Ziel
Nach der Prüfung Muss aufgehoben werden Ergibt sich aus der Umlagerung
Fehleranfällig Ja, beim Aufheben Nein
Bestandsübersicht Unklar Klar getrennt

Weitere Anwendungsfälle

Ein Sperrlager taugt für mehr als Retouren: beschädigte Ware vor der Entscheidung, Musterware und Ausstellungsstücke, Ware in Quarantäne oder Prüfung, gesperrte Chargen. Mehr zum Lagermodell im Ratgeber zu Multilager.


Wie wird eine Retoure eingebucht?

Als Bestandsbewegung in das Sperrlager, mit Menge, Zeitpunkt und Notiz. Die Buchung erhöht den physischen Bestand, nicht die verkäufliche Menge. Im Bewegungsprotokoll bleibt festgehalten, dass es sich um einen Rückläufer handelt und aus welchem Vorgang er stammt.

Was in die Buchung gehört

  • betroffener Artikel und Menge
  • Zielort: Sperrlager
  • Bezug zur ursprünglichen Bestellung, sofern bekannt
  • Grund der Rücksendung, sofern angegeben
  • Notiz zum sichtbaren Zustand

Die letzte Zeile ist die wertvollste und wird am häufigsten weggelassen. „Retoure +1" hilft niemandem. „Retoure +1, Umkarton eingerissen, Ware unversehrt" beantwortet die Prüffrage schon halb.

Warum der Bestellbezug nützt

Häufen sich Retouren zu einem bestimmten Artikel, ist das ein Produktproblem. Häufen sie sich bei einem bestimmten Kunden, ist es ein anderes Thema. Beides sieht man nur, wenn die Buchung nicht anonym erfolgt.


Wann kann retournierte Ware wieder freigegeben werden?

Nach der Prüfung — und die Freigabe ist technisch eine Umlagerung vom Sperrlager ins Hauptlager. In diesem Moment steigt die verkäufliche Menge, der physische Gesamtbestand bleibt unverändert. Die Ware war die ganze Zeit da, sie war nur nicht verkäuflich.

Der Ablauf

  1. Rückläufer trifft ein — Buchung ins Sperrlager
  2. Prüfung — Vollständigkeit, Zustand, Verpackung, gegebenenfalls Funktion
  3. Entscheidung — verkäuflich, mit Abschlag verkäuflich, oder Ausschuss
  4. Bei verkäuflich — Umlagerung ins Hauptlager
  5. Bei Ausschuss — Abschreibung

Was bei der Prüfung sinnvollerweise festgehalten wird

Eine kurze Notiz zum Prüfergebnis in der Umlagerungsbuchung. Bei einem späteren Kundenproblem lässt sich damit belegen, dass die Ware geprüft wurde — und bei einer Häufung erkennt man Muster.

Der Zwischenfall: B-Ware

Nicht jeder Rückläufer ist entweder einwandfrei oder Müll. Ware mit beschädigtem Umkarton ist funktional in Ordnung, aber nicht als neu verkäuflich. Der saubere Weg ist ein eigener Artikel oder ein eigenes Lager für B-Ware — nicht die Rückbuchung in den A-Bestand mit dem Vorsatz, sie „irgendwie" gesondert zu behandeln. Wie Bewegungen zwischen Lagern protokolliert werden, steht im Ratgeber zu Umlagerungen.


Wie wird beschädigte Ware abgeschrieben?

Als Bestandsbewegung, die die Menge reduziert und den Grund festhält. Die Abschreibung verringert physischen Bestand und Lagerwert. Anders als eine stille Korrektur bleibt sie im Bewegungsprotokoll sichtbar — inklusive Zeitpunkt, Menge, Einkaufspreis und Notiz.

Warum der Einkaufspreis mitwandert

Eine Abschreibung ist ein Wertverlust, kein reiner Mengenabgang. Ohne den EK zum Zeitpunkt der Buchung lässt sich nicht beziffern, was der Schaden gekostet hat. Über ein Jahr summiert ergibt sich daraus eine Zahl, die man kennen sollte — besonders wenn sie sich auf wenige Artikel oder einen Lieferanten konzentriert.

Was sich aus Abschreibungen ablesen lässt

Muster Mögliche Ursache
Ein Artikel häuft sich Produktqualität oder Verpackung
Ein Lieferant häuft sich Transportschäden, Handling
Nach Ablaufdatum Zu große Bestellmengen bei verderblicher Ware
Gleichmäßig verteilt Normaler Schwund

Der dritte Punkt verweist auf die MHD- und Chargenverwaltung: Wer regelmäßig wegen Ablauf abschreibt, hat ein Dispositionsproblem, kein Lagerproblem.


Wie setzt die Ertragswerke Warenwirtschaft Retouren um?

Rückläufer werden in ein nicht verkäufliches Sperrlager gebucht. Nach der Prüfung wird die Ware entweder ins Hauptlager übernommen oder abgeschrieben. Beide Vorgänge sind Bestandsbewegungen und landen mit Zeitpunkt, Menge, Einkaufspreis und Notiz im Bewegungsprotokoll.

Die Bausteine

Baustein Funktion
Sperrlager Nicht verkäuflicher Bereich für Rückläufer
Retourenbuchung Erhöht physischen Bestand, nicht die verkäufliche Menge
Umlagerung Freigabe ins Hauptlager nach Prüfung
Abschreibung Reduziert Bestand und Lagerwert mit Grund
Bewegungsprotokoll Vollständige Historie inklusive Notizen

Warum der Bestand dabei ehrlich bleibt

Ware im Sperrlager zählt zum physischen Bestand und zum Lagerwert — sie gehört dir. Sie zählt nicht zur verkäuflichen Menge und taucht deshalb nicht in der Storefront auf. Diese Trennung sorgt dafür, dass sowohl die Inventur als auch der Shop mit der jeweils richtigen Zahl arbeiten. Zum Zusammenspiel siehe die Ratgeber zum Warenbestand und zur Inventur.

Wo die Grenzen liegen

Die Warenwirtschaft bildet keinen vollständigen RMA-Prozess ab. Nicht enthalten sind Retourenlabels, ein Retourenportal für Kunden, automatische Kundenkommunikation zum Bearbeitungsstand, Erstattungsabwicklung und Umtauschprozesse. Sie übernimmt, was nach der Rückkehr der Ware im Lager passiert.

Kompatibilität

Die Ertragswerke Warenwirtschaft ist mit Shopware 6.6 und 6.7 kompatibel. Retourenbuchungen wirken als Delta auf den Shopware-Bestand, statt ihn vollständig zu überschreiben.


Häufige Fragen

Brauche ich ein Sperrlager, wenn ich nur wenige Retouren habe?

Gerade dann lohnt es sich. Bei wenigen Rückläufern fällt die ungeprüfte Rückbuchung nicht auf — bis der erste Kunde beschädigte Ware bekommt.

Zählt Ware im Sperrlager in den Lagerwert?

Ja. Sie gehört dir und ist physisch vorhanden, auch wenn sie nicht verkäuflich ist.

Kann ich mehrere Sperrlager führen?

Ja, das ist bei größeren Mengen sinnvoll — etwa getrennt nach Retourenprüfung, B-Ware und Ausschuss vor der Abschreibung.

Wie gehe ich mit B-Ware um?

Über einen eigenen Artikel oder ein eigenes Lager. Die Rückbuchung in den regulären Bestand mit dem Vorsatz, später zu unterscheiden, funktioniert in der Praxis nicht.

Wird die Erstattung an den Kunden mitverwaltet?

Nein. Zahlungsabwicklung und Erstattung laufen über die regulären Shopware-Prozesse.

Wie erkenne ich, welche Artikel besonders oft zurückkommen?

Über das Bewegungsprotokoll. Retourenbuchungen sind als eigene Bewegungsart erkennbar und lassen sich je Artikel auswerten.

Was mache ich mit Retouren, die nie eintreffen?

Ohne physische Rückkehr gibt es keine Lagerbuchung. Der Vorgang bleibt eine Frage des Kundenprozesses, nicht der Warenwirtschaft.


Retouren sind eine Lagerbewegung wie jede andere — mit dem Unterschied, dass ein Prüfschritt dazwischenliegt. Wie sie mit Multilager, Umlagerungen und Bestandsführung zusammenhängen, zeigt die Shopware Warenwirtschaft.