Shopware Multilager: Mehrere Lager und Bestände verwalten
Shopware kennt einen Bestand je Produkt. Nicht einen je Standort, nicht einen je Zustand — einen. Solange alles an einem Ort liegt und verkäuflich ist, passt das.
Es passt nicht mehr, sobald du einen zweiten Standort eröffnest, Rückläufer vor dem Weiterverkauf prüfen willst oder beschädigte Ware aus dem Verkauf nehmen musst, ohne sie sofort abzuschreiben. Dann brauchst du mehrere Lager — und vor allem die Möglichkeit, einzelne davon vom Verkauf auszunehmen.
Die Ertragswerke Warenwirtschaft führt Bestände je Lager und lässt jedes Lager einzeln als verkäuflich oder gesperrt kennzeichnen. Technisch relevant ist dabei, wie sie mit dem Shopware-Bestand umgeht: über Deltas statt über vollständiges Überschreiben — genau das Fehlerbild, an dem gekoppelte Systeme regelmäßig scheitern.
Kann Shopware mehrere Lager verwalten?
Im Standard nicht. Shopware führt je Produkt genau eine Bestandszahl ohne Ortsbezug. Eine Multilagerverwaltung ergänzt darunter eine zweite Ebene: Bestände je Lager, deren Summe — beschränkt auf die verkäuflichen Lager — den Wert ergibt, den Shopware für den Verkauf nutzt.
Die zwei Ebenen
| Ebene | Führt | Zweck |
|---|---|---|
| Shopware | Eine Bestandszahl je Produkt | Verkaufssteuerung |
| Warenwirtschaft | Bestand je Lager | Lagerhaltung und Disposition |
Die Trennung ist bewusst. Der Shop muss nicht wissen, in welchem Regal die Ware liegt — er muss wissen, wie viel er verkaufen darf. Das Lager wiederum braucht den Ortsbezug, um zu wissen, wo kommissioniert wird.
Was das für die Storefront bedeutet
Für den Kunden ändert sich nichts. Er sieht weiterhin eine verfügbare Menge. Ob diese aus einem oder aus drei Lagern stammt, ist für die Kaufentscheidung irrelevant — relevant ist nur, ob geliefert werden kann.
Wann ist eine Multilagerverwaltung sinnvoll?
Sobald Ware an mehreren Orten liegt oder unterschiedlich behandelt werden muss. Der naheliegende Fall sind mehrere Standorte. Der häufigere ist ein Sperrlager: Rückläufer, beschädigte Ware oder Ware in Prüfung sollen physisch erfasst, aber nicht verkäuflich sein.
Die typischen Anlässe
| Situation | Lagerlösung |
|---|---|
| Zweiter Standort oder Filiale | Eigenes verkäufliches Lager |
| Retourenprüfung | Nicht verkäufliches Sperrlager |
| Beschädigte Ware vor Entscheidung | Nicht verkäufliches Lager |
| Kommissionsware | Eigenes Lager zur Auswertung |
| Ware in Quarantäne | Gesperrtes Lager |
| Musterware und Ausstellungsstücke | Gesperrtes Lager |
Der unterschätzte Fall
Die meisten Händler brauchen kein zweites Verkaufslager — aber fast alle brauchen ein Sperrlager. Ohne eines landet jede Retoure sofort wieder im verkäuflichen Bestand, ungeprüft. Beim nächsten Kunden fällt dann auf, dass die Verpackung fehlt. Mehr dazu im Ratgeber zu Retouren und Sperrlager.
Wann es sich nicht lohnt
Bei einem Lager, einem Standort und ohne Retourenprüfung ist Multilager unnötige Komplexität. Die Funktion sollte vorhanden sein, damit sie beim nächsten Wachstumsschritt bereitsteht — aktiviert werden muss sie dafür nicht.
Wie wird der Bestand je Lager geführt?
Jedes Lager hat für jeden Artikel einen eigenen Bestandswert. Bewegungen wirken immer auf ein konkretes Lager: Ein Wareneingang erhöht das Zielager, eine Umlagerung verschiebt zwischen zweien, eine Abschreibung reduziert eines. Der Gesamtbestand ergibt sich aus der Summe.
Ein Beispiel über drei Lager
| Lager | Verkäuflich | Bestand |
|---|---|---|
| Hauptlager | Ja | 80 |
| Filiale Nord | Ja | 25 |
| Sperrlager Retouren | Nein | 7 |
| Physisch gesamt | 112 | |
| Verkäuflich gesamt | 105 |
Die sieben Stück im Sperrlager gehören dir, stehen im Lagerwert und tauchen bei der Inventur auf — sie werden nur nicht verkauft. Diese Unterscheidung ist der Kern des Multilagermodells.
Bewegungen zwischen Lagern
Eine Umlagerung reduziert das Quelllager und erhöht das Ziellager. Der physische Gesamtbestand bleibt gleich. Der verkäufliche Bestand ändert sich nur, wenn dabei die Grenze zwischen verkäuflich und gesperrt überschritten wird — etwa wenn ein geprüfter Rückläufer aus dem Sperrlager ins Hauptlager wandert. Details im Ratgeber zu Umlagerungen.
Welche Lagerbestände sollen im Shop verkauft werden?
Nur die aus Lagern, die als verkäuflich gekennzeichnet sind. Diese Kennzeichnung erfolgt je Lager und ist der Mechanismus, der Sperrbestände vom Verkauf ausschließt. Der Wert, den Shopware für die Verkaufssteuerung nutzt, ist die Summe der verkäuflichen Lager.
Warum die Kennzeichnung am Lager hängt
Alternativ ließe sich jeder Artikel einzeln sperren. Das ist in der Pflege unbrauchbar: Kommt eine Retoure herein, müsste jemand daran denken, den Artikel zu sperren, und nach der Prüfung daran denken, ihn wieder freizugeben. Beim zweiten Schritt scheitert es zuverlässig.
Hängt die Eigenschaft dagegen am Lager, entsteht sie automatisch: Was im Sperrlager liegt, ist gesperrt. Wird es umgelagert, ist es frei. Kein zusätzlicher Handgriff, kein Vergessen.
Die Wirkung auf die Bestandsanzeige
| Lager | Bestand | Fließt in den Shop-Bestand |
|---|---|---|
| Hauptlager (verkäuflich) | 80 | Ja |
| Filiale Nord (verkäuflich) | 25 | Ja |
| Sperrlager (gesperrt) | 7 | Nein |
| Musterlager (gesperrt) | 3 | Nein |
Shopware sieht 105. Die Warenwirtschaft weiß von 115 und kann beide Zahlen begründen.
Was ist ein Standardlager?
Das Lager, in das gebucht wird, wenn keine andere Angabe erfolgt. Es ist die Voreinstellung für Wareneingänge und den Ausgangspunkt für die Bestandsführung, bevor überhaupt ein zweites Lager existiert. Erst ab einem zweiten regulären Lager wird das Multilagermodell tatsächlich wirksam.
Warum das den Einstieg vereinfacht
Ein Händler mit einem Lager soll sich nicht mit Lagerauswahl beschäftigen müssen. Solange nur das Standardlager existiert, verhält sich die Warenwirtschaft wie ein Einzellagersystem: Jeder Wareneingang landet dort, jede Bewegung betrifft es, es gibt nichts auszuwählen.
Kommt später ein zweites Lager dazu, wird die Lagerauswahl relevant — ohne dass die bisherigen Daten angefasst werden müssten. Der bestehende Bestand liegt im Standardlager und bleibt dort.
Die Reihenfolge beim Einstieg
- Warenwirtschaft installieren, Standardlager übernimmt den vorhandenen Bestand
- Bei Bedarf ein Sperrlager anlegen und als nicht verkäuflich kennzeichnen
- Retouren künftig ins Sperrlager buchen
- Erst wenn ein realer zweiter Standort dazukommt: weiteres verkäufliches Lager
Schritt zwei ist der, der sich für fast jeden Händler sofort lohnt — auch ohne zweiten Standort.
Wie verhindert man Abweichungen zum Shopware-Bestand?
Indem Bestandsänderungen als Differenz zurückgeschrieben werden statt als neu berechneter Gesamtwert. Dieses Delta-Prinzip verhindert, dass parallele Vorgänge sich gegenseitig überschreiben — der klassische Grund für Bestände, die nach einem Verkaufspeak nicht mehr stimmen.
Das Problem beim vollständigen Überschreiben
Ein System, das bei jeder Aktion den kompletten Bestand neu berechnet und setzt, arbeitet mit einem veralteten Ausgangswert, sobald zwischen Lesen und Schreiben etwas passiert:
| Zeitpunkt | Vorgang | Folge |
|---|---|---|
| 10:00:00 | System liest Bestand: 50 | – |
| 10:00:01 | Kunde kauft 2, Shopware setzt 48 | Korrekt |
| 10:00:02 | System schreibt seinen Wert: 50 | Verkauf überschrieben |
Die beiden verkauften Stück sind wieder im Bestand — und werden ein zweites Mal verkauft. Bei geringem Traffic fällt das nie auf. An einem Aktionstag summiert es sich zu einer Reihe von Überverkäufen, deren Ursache niemand findet.
Die Delta-Variante
Statt „setze auf 50" wird „erhöhe um 10" geschrieben. Der zwischenzeitliche Verkauf bleibt erhalten, weil er auf demselben Wert operiert. Das Ergebnis ist korrekt, unabhängig davon, was dazwischen passiert ist.
Das klingt nach einem Implementierungsdetail und ist der Unterschied zwischen einem Bestand, dem man vertraut, und einem, den man wöchentlich kontrolliert.
Wie setzt die Ertragswerke Warenwirtschaft Multilager um?
Sie führt Bestände je Lager, erlaubt Umlagerungen zwischen ihnen und kennzeichnet jedes Lager einzeln als verkäuflich oder nicht verkäuflich. Das Multilagermodell wird ab einem zweiten regulären Lager aktiv. Bestandsänderungen wirken nach dem Delta-Prinzip auf den Shopware-Bestand.
Was die Umsetzung liefert
| Funktion | Wirkung |
|---|---|
| Bestand je Lager | Getrennte Werte statt einer Summe |
| Verkäuflich-Kennzeichen | Sperrbestände fließen nicht in den Shop |
| Standardlager | Einstieg ohne Lagerauswahl |
| Umlagerung | Transfer mit vollständigem Protokoll |
| Bewegungshistorie | Jede Buchung mit Zeit, Menge, Grund und EK |
| Delta-Prinzip | Kein Überschreiben paralleler Verkäufe |
Das Zusammenspiel mit den übrigen Prozessen
Ein Wareneingang bucht in ein konkretes Lager. Eine Retoure landet im Sperrlager. Der Lagerwert bezieht den gesamten physischen Bestand ein, auch den gesperrten. Die Bedarfsplanung rechnet mit dem verkäuflichen Teil — Ware in der Retourenprüfung ist kein disponierbarer Bestand.
Wo die Grenzen liegen
Bestände werden je Lager geführt, nicht je Regalplatz. Lagerplatzverwaltung, chaotische Lagerhaltung und eine Synchronisation von Beständen zu externen Marktplätzen sind nicht Bestandteil der aktuellen Version. Ebenso wenig eine automatische Auswahl des optimalen Versandlagers nach Kundenadresse.
Kompatibilität
Die Ertragswerke Warenwirtschaft ist mit Shopware 6.6 und 6.7 kompatibel. Sie führt eigene Zusatzdaten und greift nicht so invasiv in die Bestandslogik ein, dass nach einer Deinstallation unbrauchbare Bestände zurückbleiben.
Häufige Fragen
Muss ich Multilager aktivieren, wenn ich nur ein Lager habe?
Nein. Mit einem Standardlager verhält sich die Warenwirtschaft wie ein Einzellagersystem. Ein Sperrlager lohnt sich trotzdem für fast jeden Händler.
Was passiert mit meinem bestehenden Bestand bei der Einrichtung?
Er liegt im Standardlager. Es ist keine Umbuchung nötig.
Sieht der Kunde, aus welchem Lager geliefert wird?
Nein. In der Storefront erscheint die verfügbare Menge über alle verkäuflichen Lager hinweg.
Kann ich ein Lager nachträglich sperren?
Ja. Der Bestand bleibt erhalten, fließt aber nicht mehr in die verkäufliche Menge — sinnvoll etwa bei einer Standortschließung oder einer Prüfsituation.
Werden Lagerplätze unterstützt?
Nein. Die Bestandsführung erfolgt je Lager, nicht je Regalplatz. Chaotische Lagerhaltung ist nicht Bestandteil der aktuellen Version.
Wird beim Verkauf automatisch das nächstgelegene Lager gewählt?
Nein. Eine automatische Lagerauswahl nach Kundenadresse gibt es nicht. Die Zuordnung erfolgt über deine Prozesse.
Zählt Sperrbestand in den Lagerwert?
Ja. Die Ware gehört dir und steht in deinem Bestand, auch wenn sie nicht verkäuflich ist.
Multilager ist die Grundlage für Sperrbestände, Umlagerungen und eine belastbare Bestandsführung über mehrere Orte. Wie das mit Warenbestand, Umlagerungen und Retouren zusammenläuft, zeigt die Shopware Warenwirtschaft.